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Mobilität in Aschau

Regelmäßig sind Kommunen mit Problemen der Mobilität konfrontiert: entweder ist die Nachfrage zu gering um ein Angebot aufrechtzuerhalten oder die Nachfrage übersteigt das Angebot. Zusätzlich zwingen uns der Klimawandel und zur Neige gehende fossile Brennstoffe Mobilität zu überdenken. Diese Probleme wurden von vielen Gemeinden wohl erkannt, Lösungen sind aber oftmals schwer zu realisieren. Doch gibt es auch Beispiele bei denen die Lösungsansätze wunderbar funktioniert haben. Nun gilt es in Austausch zu treten, voneinander zu lernen und Kooperation zu wagen.

Dazu haben wir Kommunalvertreter des (Vor-)Alpenraums zur ersten Veranstaltung im Rahmen des Projekts Alpenkonvention AAA+ am 27. April 2017 (10 - 13 Uhr) nach Aschau im Chiemgau eingeladen. Mit ÖPNV, E-Carsharing und touristische Mobilität wurden hier Themen mit hoher Relevanz für den bayerischen (Vor-)Alpenraum abgedeckt:

ÖPNV erfolgreich managen

Michael Stabodin

Michael Stabodin (Geschäftsführer des LANDBUS Unterland im Gemeindeverband Personennahverkehr Unteres Rheintal/Vorarlberg)

Zunächst stellte Michael Stabodin die Entwicklung des Dornbirner Stadtbusses vor. Diese verlief aufgrund einiger mutiger Entscheidungen von 1991 an sehr positiv. Erfolgsfaktoren waren Einfachheit, bzgl. Taktung, Preisen aber auch bspw. Design, sowie eine intensive Erweiterung der Routen. Diese positive Entwicklung in der Stadt Dornbirn war sehr wichtig, da sie eine Art Kondensationspunkt für die Entwicklung des Landbus Unterland darstellte. Die Erfolge vor Augen, baten 22 Gemeinden nämlich an Dornbirn angeschlossen zu werden, was ab 1999 vom Landbus geleistet wird.

„Wer zahlt bestimmt“ war wohl ein wichtiger Slogan der die Gemeinden veranlasste hier selbst tätig zu werden und eine Firma zu beauftragen ein Liniennetz zu entwerfen und später selbst die Busunternehmen zu beauftragen. Herauskam ein Ring als Grundkonzept, das maßgeblich dem Primat der Einfachheit folgte:

  • Routen möglichst gradlinig und damit schnell bedient
  • viele kleine Routen wurden gebündelt
  • großes Gewicht der Transportkette (z.B. Zuganbindung)
  • angepasste Busse für die Routen
  • Zuverlässigkeit (z.B. Pünktlichkeit und Taktung)

Trotz sinkender Zuwendungen und Förderungen an die Gemeinden für den öffentlichen Verkehr, ist der Landbus Unterland weiterhin ein großer Erfolg. Stetig steigende Fahrgastzahlen zeugen davon.

E-Carsharing: Handlungsfeld der Zukunft

Portrait Ebert

Christoph Ebert

Dr. Christoph Ebert (Geschäftsführer des Kompetenzzentrums Elektromobilität Garmisch-Partenkirchen)

Christoph Ebert wies eingangs darauf hin, dass E-Carsharing keine Kommune alleine schaffen kann. Er rief dazu auf sich an bestehende Projekte anzuschließen oder sich mit anderen Kommunen zusammenzuschließen. Ebert zeigte auf das der Wohlstand in den Alpen von der Mobilität kam, dass sie der Region heute aber zum Verhängnis werde. Elektromobilität aber vor allem die Wandlung von öffentlichem Verkehr in öffentliche Mobilität seien der Schlüssel zum Erfolg. Dieser Wandel kann durch Car-Sharing erreicht werden, da ein effektives Bindeglied zwischen ÖV und letzter Meile darstellen kann. Voraussetzung sind jedoch die Möglichkeit einer dezentralen Reservierung und automatisierten Rückgabeoptionen für die Leihfahrzeuge.

Als Motivation zur Durchführung von E-Carsharing nannte Ebert eine Vielzahl an Vorteilen, die diese Technologie im bayerischen (Vor-)Alpenraum bietet. Grundlegend ist dabei das von der Erzeugung bis zur regionalen Nutzung alles in lokaler Hand liegt. Die Wahrnehmung und Attraktivität der Kommunen wird sowohl bei Touristen als auch bei den Bürgern verbessert. Die Kommune kann einen Beitrag zum Klimaschutz leisten, und gleichzeitig durch Sharing die Auslastung ihres Fuhrparks verbessern. Aber auch sonst ergeben sich Vorteile von sozialer Art (Vergünstigungen für sozialschwache Familien oder Vereine) sowie neue Möglichkeiten für regionale Kreisläufe (Mehrwert für Unternehmen).

Mit dem Gast zu mehr Qualität durch weniger Individualverkehr

Portrait Hillmeier

Max Hillmeier

Max Hillmeier (Tourismusdirektor Bad Hindelang)

Bad Hindelang wurde als sehr tourismuszentrierter Ort vorgestellt dessen Basisthemen Nachhaltigkeit (Ökomodell) und Gesundheit (Heilklima, Kneipp) sind. Man hat erkannt, dass auch die Mobilität der Gäste stark in diese Segmente mit hineinspielt. Daher setzt auch das touristische Leitprodukt der Gemeinde voll auf dieses Segment: die Gästekarte Bad Hindelang PLUS.

Mit dieser Karte erhält der Gast freien Eintritt in Bäder und andere Freizeiteinrichtungen aber auch zu den Skiliften der nahen Skigebiete. Kern des Ganzen ist allerdings freie Fahrt mit dem öffentlichen Verkehr im 40km Radius um Bad Hindelang. Einer der Vorteile die sich daraus ergeben haben ist, eine höhere Kundenzufriedenheit und gleichzeitig höhere Auslastung vor allem an Schlechtwettertagen. Viele Gäste konnten so motiviert werden auf öffentliche Verkehrsmittel umzusteigen. Der hohe Anstieg beim ÖPNV brachte der Gemeinde den fahrtziel.natur award der DB ein und das dadurch geschaffene Image half der Gemeinde die Kurkrise zu überwinden. Die starke Kooperation nach innen, die dieses Projekt möglich machte, spüre der Gast auch.

Abschließend verwies Hillmeier auf die immense Bedeutung des ÖPNV, nicht nur aus Gründen der Gästeakquise und -zufriedenheit. Er ist ein unverzichtbares Element um unsere Heimat zu schützen und einen Beitrag zu einer nachhaltigen Entwicklung zu leisten.

Bilder der Veranstaltung

Impressionen zur Veranstaltung in Aschau finden Sie hier.

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