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Generalsanierung des Gymnasiums Sonthofen

Südfassade Schnittstelle Bauphasen

Bild: Architekturbüro Haase

Im Jahr 2005 wurde Sonthofen zur Alpenstadt des Jahres gekürt. Diese Auszeichnung beruhte auf vielen Entwicklungen denen die Alpenkonvention und ihre Protokolle als Richtschnur und Motor dienten. Bis heute ist die Stadt im Netzwerk der Alpenstädte des Jahres aktiv und gestaltet seine Politik weiterhin im Sinne der Alpenkonvention. Außerdem stellt das Gymnasium Sonthofen eine der beiden deutschen Delegation zum Jugendparlament der Alpenkonvention (YPAC). Dieses Engagement macht Sonthofen zu einem der Macher im bayerischen Alpenraum.

Ein großer Schritt im Themenfeld Klimaverträglichkeit ist der Stadt Sonthofen bei der Generalsanierung ihres Gymnasiums gelungen (2009-2012). Das aus den 70er Jahren stammende Gebäude wurde in Fertigbauweise nach dem „Kasseler Modell“ errichtet und findet sich so hundertfach in Deutschland. Probleme wie der hohe Energiebedarf, die veraltete Haustechnik, die schlechte Raumluft oder die Betonschäden schufen dringenden Handlungsbedarf.

Vor diese Herausforderung gestellt, entschied die Stadt 2007 einen Schritt weiterzugehen und das gesamte Gymnasium und die weiteren Gebäude der Liegenschaft in einem ganzheitlichen und nachhaltigen Lösungsansatz im Passivhaus-Standard zu sanieren. Dabei wurde in Nierdigstenergiebauweise eine Faktor 10-Sanierung angestrebt. Dieser hohe Anspruch ermöglicht bei einer CO2-Einsparung von 80% eine Energieeinsparung von sogar 90%. Bei einem jährlichen kombinierten Energieverbrauch (Strom und Heizung) von ursprünglich knapp 1,5 Mio. kWh und Energiekosten von knapp 100.000 € ist dies nicht nur ökologisch, sondern auch ökonomisch äußerst beachtlich.

Durch die Verwendung einer Fertigteilfassade aus Holz konnte die Sanierung im laufenden Schulbetrieb durchgeführt werden. Mit der Holzbauweise konnte ein weiterer wichtiger Aspekt in Bezug auf die Nachhaltigkeit des Vorhabens erfüllt werden indem die Lebenszykluskosten der Bauteile in die Kalkulation einbezogen wurden. Außerdem konnte durch die überwiegende Verwendung von Holz auf ein heimisches Bauprodukt zurückgegriffen werden, das wiederrum von Handwerkern aus der Region bearbeitet wurde.

Um die außerordentliche Effizienz eines Niedrigstenergiegebäudes zu erreichen reichte jedoch nicht allein die moderne Dämmung des Gebäudes. Beheizt wird das Schulgebäude durch eine Grundwasserwärmepumpe und ein energieeffizientes Blockheizkraftwerk. Eine Lüftungsanlage mit Wärmerückgewinnung steigert dabei nicht nur die Energieeffizienz, sondern sorgt für frisches Raumklima, da Feuchte aus der Abluft rückgewonnen werden kann. Des Weiteren wird durch die optimierte Fensterfront eine bessere Tageslichtnutzung gewährleistet. Dies spart elektrische Energie für die Beleuchtung und verbessert wiederrum die Lernatmosphäre deutlich. Alle ergriffenen Maßnahmen führen in Verbindung mit einer intelligenten Regelungstechnik zur Energieeinsparung von bis zu 90%.

Dieser beachtliche Fortschritt kostet natürlich auch sein Geld. Auch wenn sich die Sanierungskosten von insgesamt 17 Mio. € bei Größe des Gebäudes und Umfang der Maßnahmen relativieren mögen, ist es dennoch eine außerordentliche Belastung für eine Gemeinde wie Sonthofen. Das integrierte und nachhaltige Planungskonzept überzeugte jedoch mehrere Fördergeber (Finanzausgleichsgesetz-Förderung, Klimaschutzinitiative des Bundesministeriums für Umwelt, Deutsche Bundesstiftung Umwelt, Deutsche Energieagentur), welche fast die Hälfte der Gesamtkosten übernahmen (8,1 Mio. €). Die Reduzierung des Verbrauchs fossiler Energieträger, die Verminderung des CO2-Austoßes und der Wissenstransfer des Pilotprojektes für zukünftige Generalsanierungen waren die Hauptargumente für diese großzügige Förderung.

Die Generalsanierung des Gymnasiums hat ohne Frage Pilotcharakter und Sonthofen damit den Beweis erbracht, dass Klimaschutz, Aspekte der Wirtschaftlichkeit und Regionalität sogar im großen Maßstab umzusetzen sind. Alles was es dafür braucht ist entsprechender Wille, Engagement und die richtigen Partner. Damit können auch vermeintliche finanzielle oder technische Beschränkungen überwunden werden, um die Gemeinde bereits heute zukunftsfähig zu gestalten und damit auch der Delegation des Jugendparlaments der Alpenkonvention ein gebührendes Dach zu bieten.

Klimaschutz in der Alpenkonvention

Die Alpenkonvention bietet im Themenfeld Klimawandel und -verträglichkeit mit der Deklaration und deren Ausarbeitung im Aktionsplan zum Klimawandel in den Alpen sowie dem Protokoll Energie eine umfangreiche Palette an Instrumenten. Das Angebot in diesem Themenfeld ist so groß, weil die Alpenstaaten erkannt haben, dass die durchschnittliche Temperaturerhöhung im Alpenraum deutlich über dem globalen Schnitt liegt, bereits sehr deutlich sichtbar wird (z.B. zunehmende Gefährdung durch Naturgefahren, Gletscherschmelzen, Auftauen des Permafrosts) und diese Auswirkungen ein sehr dicht besiedeltes (14 Mio. Einwohner / 200.000 km²) und stark vom (Winter-)Tourismus abhängiges Gebiet treffen. Speziell im Aktionsplan wird es um die Themen Klimaschutz und -anpassung mit 24 Zielen und neun strategischen Aktionsbereichen konkret. Selbstverständlich spielt aber auch das verbindliche Energieprotokoll mit seinen 29 Artikeln eine herausragende Rolle in diesem Themenfeld.

 

Quellen und weitere Links

Alpenkonvention, Alpenstadt des Jahres und YPAC:

Alpenkonvention (http://www.alpconv.org/de/convention/default.aspx)

Sonthofen: Alpenstadt des Jahres 2005 (http://www.stadt-sonthofen.de/stadtpolitik/nachhaltiges-engagement/alpenstadt-alpenkonvention)

Youth Parliament of the Alpine Convention (http://www.ypac.eu/about-ypac/partner-schools)

Sonthofener Delegation des Jugendparlaments der Alpenkonvention (http://www.gymnasium-sonthofen.de/index.php/ypac)

Generalsanierung des Gymnasiums:

Stadt Sonthofen: Generalsanierung des Gymnasiums Sonthofen (http://www.stadt-sonthofen.de/stadtpolitik/klimaschutz/staedtische-projekte/generalsanierung-gymnasium)

Energie- & Umweltzentrum Allgäu (eza!): Generalsanierung Gymnasium in 87527 Sonthofen (http://www.eza-allgaeu.de/energie-und-foerderratgeber/bau-und-sanierung/musterprojekte/sanierung/details/musterprojekt/generalsanierung-gymnasium-in-87527-sonthofen/)

Architekturbüro Werner Haase (2014): Ganzheitliche Sanierung einer 70-er Jahre Schule mit 80% PE-Einsparung (http://www.nachhaltigesbauen.de/fileadmin/pdf/veranstaltungen/schulkongress/06_haase_sonthofen-gymnasium.pdf)

Deutsche Bundesstiftung Umwelt (DBU): Gymnasium Sonthofen – ganzheitliche Sanierung (https://www.dbu.de/123artikel32665_2430.html)

Müller, Rene (2012): Generalsanierung Gymnasium. Neue Technik peppt alten Kasten auf. In: mikado 2012 (9) (http://www.guettinger-ingenieure.de/fileadmin/editoren/guettinger/Artikel_Gymnasium_Sonthofen.pdf

 

Dieser Artikel ist mit freundlicher Unterstützung des Energie- & Umweltzentrum Allgäu (eza!) enstanden.