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    Naturgefahren - Mögliche Reaktionen

    26. Januar 2011, STMUG München

    Der Klimawandel hinterlässt heute bereits in den Alpen seine Spuren: der Lawinenwinter 1999, der Jahrhundertsommer 2003 oder das Jahrtausendhochwasser von 2005 sind vielen noch gut in Erinnerung. Die „Anpassung an den Klimawandel im Alpenraum“ ist daher das Ziel des EU-Projektes AdaptAlp. In diesem internationalen Projekt werden die Auswirkungen des Klimawandels auf regionaler Ebene, ein Vergleich und Harmonisierung des Risikomanagement wie auch die Entwicklung von best-practic-Beispielen untersucht. Im Rahmen dieses Projektes fand unter dem Titel „Naturgefahren – Mögliche Reaktionen“ am 26. Januar 2011 eine Fachtagung von CIPRA Deutschland e.V. statt. Internationale  Fachleuten Instrumente stellten Methoden und Ergebnisse der Risikovorbeugung, des Risikodialogs und des Risikomanagement vor. 

     > Programm

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    Zusammenfassung


    Begrüßung durch

    StumppDr. Jörg Stumpp, Referat Klimaschutz im Bayerischen Staatsministerium für Umwelt und Gesundheit (StMUG)

    begrüßt die Teilnehmer und stellt die Bedeutung des Risikomanagement und des Risikodialogs für die Anpassung an zunehmende Gefahren durch den Klimawandel dar. 

    Präsentation

    und



    Köhler


    Dr. Stefan  Köhler, Präsident der CIPRA Deutschland

    bedankt sich im Namen von CIPRA Deutschland e.V. für die Unterstützung durch das Bayerische Staatsministerium für Umwelt und Gesundheit bei der Durchführung dieser Tagung. Er hebt die Bedeutung der „neuen“ Naturgefahrenhinweiskarten für die Kommunen bei der Planung ihrer Entwicklung hervor. Bayern habe damit den richtigen Weg eingeschlagen, der auch in Zukunft weiterhin intensiv verfolgt werden sollte. 




    Einfluss des Klimawandels auf Naturgefahren, Städte und Infrastruktur

    Prof. Dr. Wolfgang Seiler

    SeilerDer Klimawandel erfolgt schneller als erwartet und ist mit erheblichen ökologischen, ökonomischen und sozialen Folgen verbunden. Wesentliche Ursachen für diesen Klimawandel sind menschliche Aktivitäten, hier insbesondere die Verbrennung fossiler Energieträger. In den nächsten 40 Jahren muss mit einer weiteren Temperaturzunahme im Alpenraum um bis zu 2°C und einer signifikanten Veränderung der Verteilung und der Intensität der Niederschläge gerechnet werden, die mit noch kaum abschätzbaren Naturgefahren und ökologischen, ökonomischen und sozialen Folgewirkungen verbunden sind. Besondere Auswirkungen haben die zunehmenden meteorologischen Extremsituationen wie Stürme, Starkniederschläge mit Hagel und intensiven Schneefällen sowie Dürren und Hitzewellen. Allein in den letzten 10 Jahren sind in Bayern drei Jahrhunderthochwasserereignisse (1999, 2002 und 2005) aufgetreten, wobei das Hochwasser in 2005 als Jahrtausendereignis bezeichnet wird, das mit Schäden in den Alpenländern in der Höhe von mehr als 3 Milliarden Euro verbunden war. Stürme wie Lothar und Kyrill haben in den Wäldern eine Bahn der Verwüstung hinterlassen und zu großen Schäden an Gebäuden und Infrastruktur geführt.

    Abstract  Präsentation


    Wildbachgefahren - Abhilfe durch integrales Risikomanagement - Rolle der Gemeinden

    Dr.-Ing. Andreas Rimböck, Bayer. Staatsministerium für Umwelt und Gesundheit

    RimböckIm bayerischen Alpenraum stellen Wildbäche eine besondere Gefahr dar. Der Klimawandel lässt eine Häufung von Naturereignissen erwarten, d.h. Bauwerke werden häufiger (evtl. auch stärker) beansprucht, Schutzkonzepte reichen ggf. nicht aus und neue Bereiche müssen geschützt werden. Aber allein die künftige Gewährleistung des vorhandenen Schutzniveaus stellt eine enorme Herausforderung dar, da die vorhandenen 30.000 Bauwerke zum Schutz der Siedlungen und Infrastruktureinrichtungen in Bayern auch erhalten und saniert werden müssen. Naturgefahrenmanagement bedeutet daher heute nicht mehr nur Prävention und Bewältigung von Naturkatastrophen, sondern auch Lebensräume so zu entwickeln, dass sie flexibel und tolerant extreme Ereignisse bewältigen und sich rasch von diesen erholen.
    Daher will der Freistaat Bayern den eingeschlagenen Weg „von einer reinen Gefahrenabwehr“ hin zu einem „Integralen Risikomanagement (IRM)“ weiter beschreiten.


    Dabei gewinnt neben der klassischen Schutzverbauung die Betrachtung des Restrisikos, die Raumplanung, die Anpassung an den Klimawandel und der Risikodialog mit allen  Betroffenen eine hohe Bedeutung,

    Aufgaben der Gemeinden:
    Im IRM erfüllen Bürgerinnen und Bürgern, sowie den Gemeinden wichtige Aufgaben, z.B.:
    -    Beteiligung am Risikodialog

    -    Vorsorge, z.B. durch angepasste Bauleitplanung, angepasstes Bauen, Notfalleinsatzplan, Übungen für Einsatzkräfte, Abschließen von  Elementarschadensversicherungen, …

    -    Information der Bürgerinnen und Bürger, z.B. im Baugenehmigungsverfahren, über Einsatzplanung,

    Hilfestellung und Leistungen des Freistaates im IRM:
    Der Freistaat Bayern bietet neben technischen Schutzmaßnahmen vielfältige Grundlagendaten, Informationen und Hilfestellungen, damit ein IRM effektiv und sinnvoll installiert werden kann. Nur einige Beispiele:
    -    Grundsätzliche Informationen über Naturgefahren (Informationsdienst alpine Naturgefahren, Informationsdienst überschwemmungs-gefährdete Gebiete, Gefahrenhinweiskarten Georisiken, Ereignisdokumentationen, …)
    -    Aktuelle Warndienste (Hochwassernachrichtendienst, Lawinenwarndienst, …)
    -    Umfassende Beratung durch die Fachbehörden
    -    Planungshilfen Bauleitplanung
    -    Förderung für Hochwasserschutzmaßnahmen an Gewässern dritter Ordnung

    Abstract  Präsentation


    Gefahrenzonenpläne ein Ländervergleich. Vor- und Nachteile für die Gemeinden

    Ass.-Prof. Arthur Kanonier TU Wien

    KanonierPräsentation









    Neue Handlungsanweisungen für Naturgefahren - Wie können Gemeinden und Landratsämter den Einschränkungen durch Naturgefahren Rechnung tragen?

    Dr. Andreas von Poschinger, Bayerisches Landesamt für Umwelt

    PoschingerDie Geogefahren Steinschlag, Felssturz, Hanganbruch und tiefgreifende Rutschung werden berücksichtigt. Neben potentiellen Anbruchgebieten werden auch die Auslaufbereiche in den s.g. Gefahrenhinweiskarten dargestellt. Für die Gefahrenarten Steinschlag und Hanganbruch erfolgt jeweils eine Modellierung auf der Basis des digitalen Geländemodells. Dabei werden zwei Szenarien berücksichtigt: Eines unter Berücksichtigung des Waldes als schützendes Element sowie ein weiteres, bei dem der Wald keine Berücksichtigung findet. Eventuelle zukünftige Kalamitäten durch Sturm oder Forstschädlinge sollen somit  bereits vorweggenommen werden.

    Abstract



    Umgang mit den Naturgefahren in der Stadt Immenstadt

    Armin Schaupp, Bürgermeister von Immenstadt


    SchauppPräsentation

    Aufgezeigt wurden in dem Vortrag am Beispiel der Stadt Immenstadt (Allgäu) mit welchen Krisenszenarien sich generell eine Kommune auseinander zu setzen hat und welche Einflüße dies auf die unterschiedlichen Nutzungen haben kann.
    Der Schwerpunkt in der weiteren Betrachtung wurde dann auf Risiken durch Hochwasser und geologische Risiken (Muren) gelegt.
    Aufgezeigt wurden die Ergebnisse aus den Risikoanalysen (Hangrutsch, Hochwasser, Muren), insbesondere am Beispiel des Steigbaches und wie diese Ergebnisse in einem Bereitschafts- und Operationsplan zum Krisenmanagement verarbeitet wurden.
    U. a. wird täglich die Wetterentwicklung beobachtet, um Vorlaufzeiten bei Erkennung von kritischen Situationen zu gewinnen und vorbereitende Organisationsmaßnahmen einzuleiten.
    Abschließend wurde darauf eingegangen, welche weiteren Maßnahmen vorgesehen sind, um die Qualität im Krisenmanagement zu erhöhen. Genannt wurden:
    - Qualitätserhöhung Umfang zu Murvorstössen
    - Einführung einer Führungssoftware
    - Stabsrahmen- / Vollübung für einzelne Krisenszenarien



    Risikodialog auf Kantonsebene in der Schweiz

    Dr. Christian Wilhelm,  Amt für Wald Graubünden / Abteilung Naturgefahren

    WilhelmEine umfassende Risikokultur erfordert, die Risiken aus Naturgefahren transparent darzustellen und zu beurteilen. Die Festlegung konkreter Schutzziele muss auf transparenten und systematischen Methoden beruhen und gemäss den Grundsätzen der politischen Entscheidungsfindung in der Schweiz erfolgen. Der Schutz vor Naturgefahren liegt im Verantwortungsbereich der Kantone und Gemeinden mit Unterstützung des Bundes. Oberstes Ziel ist der Schutz von Leib und Leben. Alle haben in  der Schweiz Anspruch auf eine angemessene und vergleichbare Sicherheit. Beim Schutz von Sachwerten steht die Optimierung der verfügbaren Mittel im Vordergrund. Die Bevölkerung wird in einen Risikodialog einbezogen.

    Abstract  Präsentation



    Intelligentes und klimasensibles Flächenmanagement

    Dipl. Geograph Florian Lintzmeyer, ifuplan

    Lintzmeyer

    Der Begriff des kommunalen Flächenmanagements bestimmt seit ca. 15 Jahren die kommu-nale Bodenpolitik: Eckpunkte sind der Schutz von Freiflächen, die Schließung innerörtlicher Baulücken vor der Inanspruchnahme von Flächen im Außenbereich, sowie insgesamt die Reduzierung der Neuflächeninanspruchnahme mit dem Ziel kompakter und kosteneffizienter Siedlungsstrukturen. Die zumindest im breiten öffentlichen Bewusstsein neuen Einflussfakto-ren des Klimawandels und des demographischen Wandels treten nun mit ihren Rauman-sprüchen hinzu.

    Naturgefahren und räumliche Planung

    Auf Ebene der Landes- und Regionalplanung setzt man sich in Deutschland bereits umfang-reich mit dem Klimawandel auseinander. Die raumrelevanten Handlungsfelder befassen sich dabei sowohl mit dem Klimaschutz, aber in zunehmenden Maße auch mit der Anpassung an den bereits stattfindenden Klimawandel. Viele dieser Handlungsfelder zum Klimawandel der Ministerkonferenz für Raumordnung haben zumindest in Teilbereichen auch Relevanz für die Gemeinden im bayerischen Alpenraum, ebenso wie alpine Naturgefahren viele Schnittstellen zu kommunalen Handlungsfeldern wie aktives und passives Risikomanagement, Infrastruk-turplanung und Risk Governance aufweisen.

    Die räumliche Planung muss dabei im Hinblick auf alpine Naturgefahren mit zwei Ebenen von Unsicherheiten hantieren. Die im Rahmen der Tagung vorgestellten Naturgefahrenin-formationen weisen einerseits eine unterschiedliche Aussageschärfe auf, die auf das kom-plexe Zusammenspiel von Faktoren wie Niederschlag, Geologie, Geschiebefracht und Schutzwaldzustand zurückzuführen.

    Hinzu kommen die Variabilität der zugrundeliegenden Klimamodellierungen und –szenarien. Es besteht daher ein Interpretationsbedarf der Fachinformationen, deren Hinweise auf Ge-fahrensituationen vor Ort in der Regel durch entsprechendes Fachpersonal zu beurteilen ist. Neben dieser Hinzuziehung von Fachpersonal können die Kommunen den Unsicherheiten durch einen breit abgestützten Risikodialog begegnen. Auf der objektiven Grundlage, was möglicherweise passieren kann, sind letztlich breit abgestützte politische Entscheidungen zu treffen, was passieren darf und welche Maßnahmen gegebenenfalls zu ergreifen sind, um unerwünschte Auswirkungen zu verhindern.

    Naturgefahren und Flächeninanspruchnahme

    Naturgefahren sind in den Alpen vor allem Ausdruck des Reliefs. Es ist daher nicht überra-schend, dass der Dauersiedlungsraum – also der Raum, der sich für dauerhafte Siedlungen eignet (Siedlungsfläche plus intensiv genutzte Landwirtschaftsfläche) - in Richtung Alpen-hauptkamm abnimmt. Doch bereits im deutschen Alpenanteil verfügen die Landkreise und ihre Gemeinden über unterschiedliche Anteil an Dauersiedlungsraum an ihrer Gemeindeflä-che. Flächen, die sich für Siedlungen und Verkehrsinfrastrukturen eignen, sind somit ein knappes Gut, mit dem besonders im Alpenraum vorsichtig umzugehen ist.

    Der Bildvergleich für das Tegernseer Tal veranschaulicht einen Prozess, der so den gesam-ten bayerischen Alpenraum in den letzten 100 Jahren erfasst hat – die Umwandlung von überwiegend landwirtschaftlich genutzter Fläche in Siedlungs- und Verkehrsfläche. Deren Anteil ist in Bayern seit Anfang der 90er um ca. 25% gewachsen (Aktuell in Bayern 16,4 ha/Tag), obwohl die Bevölkerungsentwicklung zunehmend stagniert und perspektivisch leicht rückläufig ist. Dieser allgemeine Trend prägt sich natürlich regional unterschiedlich aus. Die alpinen Landkreise schneiden im Vergleich zu Gesamtbayern noch relativ stabil ab, wobei auch hier insbesondere auf Gemeindeebene markante Bevölkerungsrückgänge prognostiziert werden.

    Betrachtet man daher das Thema der alpinen Naturgefahren und die demographische Ent-wicklung im Zusammenhang, so lassen sich drei Aspekte festhalten, die eine vorausschau-ende Kommunalentwicklung im Klimawandel auszeichnen können:

    •    Gelingt es, großzügige Ausweisungen am Bedarf vorbei im Außenbereich zu vermeiden, so erleichtert dies das passive Risikomanagement unter sich ändernden Bedingungen

    •    Hohe Kosten durch räumliche Ansprüche des Klimawandels entstehen bei fertiggestellter Bausubstanz. Ziel sollte daher die Vermeidung und u.U. sogar Rücknahme von Baube-stand in gefährdeten Bereichen sein.

    •    Der baurechtliche Innenbereich ist in der Regel geschützter vor Naturgefahren und ver-fügt über erhebliche Nachverdichtungspotenziale. An diesem Punkt weist die naturgefah-rensensible Flächennutzungsplanung Synergien mit kosteneffizienten kommunalen Infra-strukturen auf. Denn: Höhere bauliche Dichten führen zu geringeren Infrastrukturkosten für Kommunen und Bürger.


    Abstract

    Präsentation


    Risikodialog in Gemeinden

    Hr. Anton Mattle, Bürgermeister von Galtür

    MattleRisiken entstehen und wirken an der Schnittstelle ökologischer, ökonomischer, technologischer, politischer und sozialer Entwicklungen. Erfolgreiches Risikomanagement ist die Basis  für professionelles Krisenmanagement.
    Dialog und Kommunikation spielen dabei eine wesentliche Rolle. Risikomanagement im Bereich der Naturgefahren ist besonders schwierig, da naturwissenschaftliche Betrachtungen immer Unsicherheiten in sich bergen. Im öffentlichen Bereich zählt  Risikodialog mittlerweile zum Basiswerkzeug. Bei der  Auflage eines Gefahrenzonenplanes, oder eines Evakuierungsplanes, bei der Genehmigung einer Großveranstaltung, oder beim Bau eines Kraftwerkes, ist rechtzeitiger Risikodialog unerlässlich. Inwieweit Risikodialog via  Internet zielführend ist, werden die ersten Versuche zeigen. Anhand eines  Extremereignisses, wie der Lawine von Galtür, kann der Weg vom Risiko- zum Krisenmanagement eindrucksvoll aufgezeigt und das Wechselspiel zwischen Dialog und Kommunikation dargestellt werden.

    Abstract


    Nähere Informationen zum Projekt Adaptalp finden Sie unter Projekte und www.adaptalp.org


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