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    Die Politik von heute ist das Klima von morgen

    12.3.2007 Alpenschutzkommission CIPRA präsentiert neuen Band zum Klimawandel
    Im Rahmen eines gemeinsamen Pressegespräches präsentieren der Präsident der Internationalen Alpenschutzkommission CIPRA - Deutschland, Dr. Stefan Köhler und der bayerische Umweltminister Dr. Werner Schnappauf eine aktuelle Publikation der CIPRA zum Thema „Klima-Wandel-Alpen. Tourismus und Raumplanung im Wetterstress“ vor. Der ansprechend aufgemachte und verständlich geschriebene Band fasst die Ergebnisse einer internationalen Fachtagung für ein breites Zielpublikum zusammen.

    Die Alpen sind vom Klimawandel besonders hart betroffen: Zum einen stieg die Temperatur in den Alpen in den vergangenen Jahrzehnten mehr als doppelt so stark an wie im globalen Durchschnitt. Zum anderen reagieren die Alpen besonders sensibel auf diese Temperaturänderung, was enorme Aufwendungen in der Risikovorsorge und im Gefahrenschutz nach sich zieht.

    Die OECD (Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung) weist aktuell darauf hin, dass steigende Naturgefahren und Wintertourismus in besonderem Maße vom Klimawandel berührt werden. In der neuen CIPRA-Publikation „Klima-Wandel-Alpen“ werden neben aktuellen wissenschaftlichen Untersuchungen über die Auswirkungen des geänderten Alpenklimas mögliche Anpassungsstrategien an verstärkte Naturgefahren und die veränderten touristischen Rahmenbedingungen vorgestellt. Am wichtigsten bleibt aber weiterhin der Klimaschutz. Denn heute können wir noch das Maß des Klimawandels von morgen beeinflussen. Auch hierzu gibt der Band Anregungen und stellt nachahmenswerte Beispiele vor, wie der Energieverbrauch reduziert sowie auf Nutzung regenerativer Energien umgestellt werden kann.


    „Neben technischen Effizienzsteigerungen ist aber nun auch eine Änderung des Lebensstile von Nöten, um den Klimawandel nicht zur Klimakatastrophe werden zu lassen“, so Dr. Stefan Köhler, der Präsident der deutschen Vertretung der internationalen Alpenschutzkommission CIPRA. „Sanfter Urlaub in den Alpen kann zum Beispiel eine Alternative zu klimaschädlichen Flugfernreisen sein. Ein Weniger an Fernreisen reduziere den CO-2 Ausstoß und könne gleichzeitig zu einem Mehr an Tourismus im bayrischen Alpenraum führen. Sanfte Urlaubsangebote im Alpenraum und Alpenvorland müssen deshalb durch die Politik politisch noch stärker unterstützt werden“, so Köhler. „Kontraproduktiv sei hingegen eine öffentliche Förderung zum Ausbau von Regionalflughäfen im Alpenraum, so wie derzeit in Memmingerberg im Alpenvorland der Fall. Hierdurch würden nicht nur die Bemühungen zur Verringerung des Klimakillers CO-2 unterlaufen, sondern auch umweltfreundlichere Alternativen des öffentlichen Verkehrs gefährdet.“ Die Gefahr, dass die Deutsche Bahn wegen des Allgäu-Airports einzelne Fernverkehrsverbindungen ins Allgäu auf den Prüfstand stellt, sei nicht zu unterschätzen.


    Auch gelte es endlich Abstand von Millioneninvestitionen in nicht zukunftsfähige Skiinfrastrukturen zu stecken. „Investitionen in Schneekanonen“, so Köhler, „sind nicht nur ökologisch, sondern auch unter ökonomischen Gesichtspunkten unsinnig.“ Die CIPRA, so Köhler, fordere schon seit Jahren die alpinen Tourismusorte auf, vielfältige Alternativangebote zu entwickeln. Beispiele zu erfolgreichen Alternativen, wie sie z.B. gleich mehrere Gemeinden im oberbayerischen Achental verfolgen, finden sich im vorgestellten Band.


    Der Alpenraum hat das Potenzial, sich zu einer Klimaschutzmodellregion zu entwickeln. Zum einen gibt es hier die natürlichen Voraussetzungen für effektiven Klimaschutz: Holz, Sonne und Wasser stehen als regenerative Energieträger in großen Mengen zur Verfügung. Vor allem gibt es aber auch viele Menschen mit hervorragendem Klimaschutz-know-how, wie im Energie- und Umweltzentrum Alläu (eza!) oder bei der Oberallgäuer Gemeinde Wildpoldsried, die mehr als doppelt soviel Strom aus regenerativen Quellen erzeugt, wie sie selbst verbraucht. Auf der letzten Alpenkonferenz griffen die Umweltminister der Alpenstaaten deshalb die Initiative der CIPRA für die Erarbeitung eines verbindlichen gemeinsamen Aktionsplan Klimaschutz auf. Die CIPRA wird sich in diesen Prozess intensiv einbringen.


    Das größte Energieeinsparpotential besteht im Gebäudebereich. In Zusammenarbeit mit dem bayerischen Umweltministerium wird CIPRA-Deutschland daher in Kürze eine Kampagne für energieeffiziente Bauten aus umweltverträglichen Baustoffen im bayerischen Alpenraum starten. CIPRA-Deutschland geht davon aus, dass mit und über das Bayerische Umweltministerium sich deutliche Einsparungen beim Verbrauch fossiler Brennstoffe im Alpenraum erzielen lassen.


    Klimaschutz ist für den Alpenraum eine Überlebensfrage. Gelingt es nicht den Klimawandel zu begrenzen, könnten einzelne Alpentäler durch Naturgefahren zunehmend unbewohnbar werden. Die CIPRA begrüßt daher ausdrücklich die Aktivitäten des Umweltministeriums und der LfU Bayern hinsichtlich des Informationssystems GeoRisk sowie bezüglich der Erarbeitung detaillierter  Naturgefahrenkarten. CIPRA Deutschland setzt sich dafür ein, dass diese zur Vorbeugung vor zukünftigen Schäden die Gefahrenhinweiskarten herangezogen werden und diese Karten zu einer rechtsverbindlichen Grundlage für die kommunale Bauleitplanung aufgewertet werden.

     

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    Grundlage der Publikation ist eine internationale Konferenz, welche die CIPRA in Zusammenarbeit mit dem Gemeindenetzwerk „Allianz in den Alpen“ im Mai 2006 in Bad Hindelang veranstaltete. 280 Teilnehmer aus allen Alpenstaaten diskutierten auf dieser Tagung über Klimaschutz und Anpassungsstrategien in den Bereichen Tourismus und Naturgefahren im Alpenraum. Gefördert wurde die Tagung durch das Bayerische Umweltministerium, das Bundesumweltministerium, die Europäische Union und über das von der Mava-Stiftung finanzierte Projekt „Zukunft in den Alpen"

     

    Der Band „Klima-Wandel-Alpen; Tourismus und Raumplanung im Wetterstress“ ist in vier Sprachen (deutsch, französisch, italienisch und slowenisch) erschienen. Er kann bei CIPRA International, Im Bretscha 22, FL-9494 Schaan (E-Mail, Tel: +423 237 53 53) oder über den Buchhandel bestellt werden. Preis:  €24,90 (144 Seiten); ISBN: 978-3-86581-69-4.

    Zusammenfassung zum Download

    Tagungsbeiträge zum Download

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