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01.03.2010
Kühler Kopf im Gespräch: cc.alps-Preisträgerin Christine Margraf, Verantwortliche für den Moorschutz beim Bund Naturschutz in Bayern „Intakte Moore sind der beste und billigste Hochwasserschutz!“
Die Auszeichnung ist vor allem eine sehr schöne Anerkennung und Bestätigung unserer Arbeit, die überwiegend von ehrenamtlichen Leuten geleistet wird. Sie bringt uns aber auch einen Imagegewinn gegenüber nötigen Unterstützern, Akteuren und Spendern, auf die wir für die Durchführung unserer Massnahmen angewiesen sind. Da ist es schön, wenn man mit einem Projekt kommt und sagen kann, dass es alpenweit ausgezeichnet worden ist. Heutzutage weiss man, dass intakte Moore einen wichtigen Beitrag zum Klimaschutz leisten. Der Bund Naturschutz engagiert sich schon seit Jahrzehnten für die Moore im Alpenraum. Erhalten Sie deshalb heutzutage mehr Unterstützung für Ihre Aktivitäten? Es ist sicher so, dass das Verständnis und das öffentliche Bewusstsein für den Moorschutz gestiegen ist. Die bayerische Staatsregierung hat aus ihrem „Klimatopf“ für die nächsten drei bis vier Jahre acht Millionen Euro für den Moorschutz bereitgestellt. Dieses Geld steht allen Trägern, Personen und Vereinen zur Verfügung, die Moorschutz machen, so auch dem Bund Naturschutz. Es ist aber leider keine hundertprozentige Finanzierung, sondern es verbleibt ein Eigenanteil. Ein wichtiges Überzeugungsargument gegenüber Bürgermeistern, Behörden oder anderen Partnern für die Unterstützung unserer Arbeit ist ausserdem, dass wir sagen können: „Schaut her, eure eigene Regierung hält den Moorschutz für wichtig.“ Intakte Moore bieten bedrohten Arten wie der Hochmoormosaikjungfer einen Lebensraum. Wie profitieren aber die Menschen davon? Die Menschen profitieren von intakten Mooren, indem sie eine einmalige Erholungslandschaft bekommen. Intakte Moore sind etwas ganz Eigentümliches. Sie zu erleben, hat einen ganz eigenen Reiz. Wir erleben immer wieder bei unseren Exkursionen, Führungen oder Spaziergängen in die Projektgebiete in den Mooren, wie begeistert die Menschen von diesen Landschaften sind, die viele eigentlich gar nicht mehr kennen. Und wie steht es mit der Wirtschaft? Im Umfeld von den Mooren steht nicht nur das Sich-selbst-Überlassen im Vordergrund, sondern die Moore sind in der Regel von einer Kulturlandschaft mit Streuwiesen umgeben. Wir versuchen mit unseren Projekten, Landwirten ein Standbein zu geben durch die extensive Pflege oder Bewirtschaftung von derartigen Lebensräumen, die in enger Verzahnung mit renaturierten Hochmooren stehen. Was sind die grössten Schwierigkeiten, die Sie bei Ihren Projekten überwinden müssen? Die grösste Schwierigkeit stellt sich ganz zu Beginn. Aus fachlicher Sicht haben wir gewisse Gebiete im Auge, in denen wir Moorschutz machen möchten. Gerade Hochmoorrenaturierung und Wiedervernässung bedeutet in der Regel eine völlige Aufgabe der Nutzung – und das ist vor allem für den Klimaschutz relevant. Man findet selten Eigentümer, die einfach sagen „Ich stelle euch die Fläche zur Verfügung, macht, was ihr wollt!“. In der Regel muss man die Flächen abkaufen. Das ist oft ein Bereitschaftsproblem und ein finanzielles Problem, weil wir beim Flächenankauf 10 bis 30 Prozent Eigenanteil leisten müssen. Wie setzt der Bund Naturschutz jetzt das Preisgeld ein? Wir setzen die 20.000 Euro verteilt auf unsere acht Kreisgruppen ein für konkrete Ankäufe, Pflegemassnahmen – wie Anstaumassnahmen oder Baumaufwuchs entfernen – und Renaturierungsprojekte. Wir können diese Projekte damit fortführen und vor allem auf grössere Flächen ausdehnen. Der Bund Naturschutz kann sich nicht um alle Moore in Bayern kümmern. Was muss getan werden, damit es möglichst vielen Mooren wieder besser geht? Es gibt in Bayern ein sehr schönes und fundiertes Konzept, das so genannte Moorentwicklungskonzept. In diesem stellen zahlreiche Experten exakt dar, wo der grösste Handlungsbedarf in den bayerischen Mooren ist. Wir bräuchten nun dringend eine Kampagne oder eine Offensive des Freistaates Bayern für die strategische Umsetzung dieses Konzeptes, damit wirklich alle, die zum Moorschutz etwas beitragen können – vom Naturschutz über die Wasserwirtschaft, Forstämter, Kommunen, die Landkreise und andere kommunale Träger – an der Umsetzung dieses Programms arbeiten. Wir haben leider die Situation, dass Moorschutz noch nicht überall in seiner Bedeutung angekommen ist. Zum Beispiel akzeptiert die bayerische Wasserwirtschaft nicht, dass Moorschutz auch Hochwasserschutz ist. Deswegen setzen sie sich beim Hochwasserschutz nicht für Moorschutz ein, sinnvolle Synergien werden nicht genutzt. Der Moorschutz muss in allen Politikbereichen mit hoher Priorität verankert und umgesetzt werden. Dafür bräuchte es auch noch mehr Gelder; die vorhin erwähnten acht Millionen Euro Klimagelder sind ein schöner Anfang, aber man bräuchte deutlich mehr. |
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