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Kühler Kopf im Gespräch: Samuel Bernhard, Projektleiter IG bus alpin

08.06.2010

«30 Prozent sind «Umsteiger» vom Auto auf den öffentlichen Verkehr!»

Die CIPRA hat am 6. November 2008 die sieben besten Massnahmen ausgezeichnet, die am cc.alps Wettbewerb teilgenommen haben. Die Interessensgemeinschaft bus alpin/CH hat einen der mit 10'000 Euro dotierten Preise des cc.alps-Wettbewerbs gewonnen. Christine Székely aus dem cc.alps Team hat mit Samuel Bernhard, dem Projektleiter der IG Bus Alpin über das Erfolgsprojekt gesprochen.

Samuel BernhardHerr Bernhard, das Projekt läuft nun bereits seit der Pilotphase 2006/07. Wer profitiert von dem Projekt IG bus alpin?

Es sind eigentlich zwei sich ergänzende Ebenen: Die nationalen und die regionalen Partner. National profitieren primär die beteiligten Partner, also die Trägerorganisationen. Sie können sich im interessanten Feld «Innovationen im öffentlichen Verkehr» hervorheben. Auf regionaler Ebene sind es die Regionen, die nun besser erschlossen sind und die touristischen Partner, die auch von den verbesserten Verbindungen durch die zusätzlichen Angebote des öffentlichen Verkehrs profitieren.

Wofür konnte die IG bus alpin das Preisgeld von cc.alps einsetzen?

Das Preisgeld wird primär wieder in den Regionen investiert, das heisst es wird direkt für die Busbetriebe eingesetzt - also effektiv für die Kernleistung von bus alpin und die eigentlichen Streckennetze.

Hat sich das Angebot konkret auf das Mobilitätsverhalten ausgewirkt?

Ja. Wir haben im Pilotprojekt 2006/07 Untersuchungen in den Versuchsbetrieben durchgeführt. Das waren Fragebogen-Untersuchungen, in denen wir die Kunden direkt befragt haben. Dabei haben wir einen sehr hohen Umsteigeeffekt aufzeigen können: 30 Prozent der Kunden und Kundinnen bezeichnen sich als «Umsteiger» vom Auto auf den öffentlichen Verkehr.

Was waren während des Projektaufbaus bis jetzt die grössten Herausforderungen?

Das war ganz klar die Finanzierung bzw. die Rentabilität der Projekte. Öffentlicher Verkehr ist defizitär – und zwar nicht nur in diesem Bereich. Als eines der Hauptprobleme würde ich die regionale Verankerung sehen. Es ist eine Riesenaufgabe, die Busse nicht nur in der Aufbauphase zu betreiben, sondern auch langfristig. Ein entscheidender Punkt sind auch die oft fehlenden Ressourcen, um sich mit dieser Thematik vor Ort auseinanderzusetzen.

Welche konkreten Möglichkeiten haben die Regionen, selbst Mitglied zu werden?

Einerseits müssen sie einen Problemdruck mit dem touristischen Verkehr haben. Das heisst ein schlechtes oder gar kein Angebot des öffentlichen Verkehrs zu einzelnen Ausflugszielen. Andererseits müssen diese Ausflugsziele aber für den Privatverkehr attraktiv sein. Somit müssen ein Umlagerungspotential und ein Nachfragepotential für den öffentlichen Verkehr vorhanden sein. Unabdingbar sind auch eine verantwortliche Organisation und eine Person mit den nötigen Ressourcen; Die personellen Ressourcen sind das, was man meistens unterschätzt. Zudem muss ein gewisses Potential an finanziellen Ressourcen für regionale Sponsoren vorhanden sein. Sei es seitens der Gemeinde, des Tourismus oder eines anderen Leistungserbringers vor Ort. Die IG bus alpin unterstützt die Regionen beim Aufbau dieser Angebote und bei konkreten Fragen: Welche Möglichkeiten gibt es für die Finanzierung? Wie baut man ein Angebot auf? Wie ist das zu  dimensionieren usw.

Was sind Ihre Wünsche und Pläne für die Zukunft?

Ich wünsche mir für die Zukunft, dass die IG bus alpin sich weiter in den Regionen des Berggebiets verankern kann und als eine Möglichkeit gesehen wird, den öffentlichen Verkehr zu stärken und touristische Angebote mitzukreieren. Zudem habe ich auch einen durchaus quantitativen Wunsch nach Wachstum: Mehr Regionen sollten hinzukommen und sich diesem Beispiel anschliessen. Zuletzt wünsche ich mir vor allem, dass die Mitgliedsregionen ausdauernd genug sind und langfristig zu diesem Ausbau des öffentlichen Verkehrs beitragen können. Für das kommende Jahr haben wir geplant, einen nationalen Aktionstag zu organisieren, um die regionalen Angebote zu stärken und das Projekt weiter zu vermarkten. Weiter hoffe ich, dass wir eine Broschüre realisieren können, in welcher die Angebote der Regionen attraktiv dargestellt werden können.


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