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Wälder als CO2-Senken?

04.09.2001

Bäume nehmen bei ihrem Wachstum CO2 aus der Luft auf und speichern es, bis ihr Holz verbrannt oder durch natürlich-ökologische Prozesse abgebaut wird. So gesehen wirken Wälder für eine gewisse Zeit als CO2-Senken und leisten einen Beitrag zur Minderung der Treibhaus-Effekte.

Doch bindet zwar die oberirdische Biomasse der schnell wachsenden Jungwälder mehr Kohlendioxid als sie ausatmet, aber die Atmung der Organismen im Boden ist auch höher: die Bodenorganismen fühlen sich wohl, da junge Bäume kaum Sonne und Regen abhalten, und atmen daher mehr. Nicht die Bindungsrate von Kohlenstoff ist also maßgeblich, sondern wie lange dieser in der Biomasse gespeichert ist.
Alte Bäume binden mit der Zeit viel Kohlenstoff über die Streu und die Wurzeln im Boden. Alte Wälder sind echte Kohlenstoff-Senken, Wiederaufforstungen setzen eher Kohlenstoff frei.
Die Frage ist nun, wie die Wälder als CO2-Speicher berücksichtigt werden können - in einem quantitativen Aspekt.
Der Klimabeschluss in Bonn lässt Wälder als zusätzliches Klimaschutz-Instrument zu. Im Schweizer CO2-Gesetz werden CO2-Senken nicht berücksichtigt. Bevor über die Anrechnung von Senken für die Schweiz entschieden werden kann, muss bekannt sein, wie viel CO2 durch Wälder langfristig gespeichert werden kann. Die Eidgenössische Forschungsanstalt WSL, die Eidgenössische Technische Hochschule ETH Zürich, die Universität Basel und weitere Institutionen haben sich daher zum Ziel gesetzt, Antworten auf folgende Fragen zu liefern: Welches Potenzial zur Kohlenstoffspeicherung besteht in den Schweizer Wäldern? Wie reagieren Waldökosysteme auf erhöhte CO2-Gehalte in der Luft? Wie wirken sich verschiedene Systeme der Waldbewirtschaftung auf die Kohlenstoffspeicherung aus? Welche langfristigen Konsequenzen hat eine erhöhte Kohlenstoffbindung für den Wald?
In einem Modellversuch an der WSL wurde während vier Jahren die Entwicklung von jungen Fichten und Buchen unter erhöhtem Angebot an CO2 und Stickstoff beobachtet. Die Ergebnisse zeigen, dass die Entwicklung des Waldes von der Art des Bodens und des Baumbestandes abhängt. Fichten nehmen sowohl auf kalkreichem wie auf saurem Boden mehr CO2 auf und wachsen schneller, weshalb angenommen wird, dass sie gegenüber Buchen konkurrenzstärker werden. Das heißt, die Biodiversität der Wälder könnte sich langfristig ändern. Das erhöhte CO2-Angebot wirkte nur am Anfang positiv auf das Wachstum der Bäume. Es wird vermutet, dass danach eine Sättigung der Bäume mit CO2 eintrat. Auch eine Studie, die im Magazin Nature veröffentlicht wurde, zeigte, dass Kohlenstoffspeicherung in den Bäumen langfristig durch Nährstoffe und Wasser limitiert ist.
Forschungskommissar Busquin hat im November 2001 erste offizielle Schätzungen zur Sink-Kapazität der Vegetation in der EU bekannt gegeben. Demnach können Wälder und sonstige Vegetation zwischen 20 und 30% der Emissionen durch Verbrennung fossiler Energieträger aufnehmen, wobei der Wert durch Aufforstungen noch gesteigert werden könne. Allerdings wird für 2050 eine weltweite Sättigung der "sinks" (CO2-Senken) angenommen, und auf die Gefahr hingewiesen, dass derzeitige sinks unter wärmeren Bedingungen auch zu CO2-Quellen werden könnten. Durch die jetzt vorliegenden Schätzungen wird die Sink-Kapazität, die im Rahmen des Kyoto-Protokolls in Anspruch genommen werden kann, nicht beeinflusst.
Pressemeldung der Europäischen Kommission/ GD Forschung: http://europa.eu.int/comm/research/press/2001

Quelle: Alpinus, 4.9.2001
EEB, 19.11.2001
Siehe auch Dossier "Klimawandel und Alpen"

Autor(en):
Wilfried Richter
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