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Die Alpen

© Bundesministerium für Umwelt, Jugend und Familie 1996

Die Alpen als Region Europas

Gemäss der Abgrenzung durch die Alpenkonvention bewohnen rund 13 Millionen Menschen den 190.912 km2 grossen Alpenbogen. Acht Staaten, ca. 100 Regionen (NUTS3) und etwa 6.200 Gemeinden haben an ihm Anteil. Eine einzigartige Natur- und Kulturgeschichte haben die Alpen im Herzen unseres Kontinents zu einem Lebens-, Wirtschafts- und Erholungsraum von europäischer Bedeutung gemacht.

Die Vielfalt der Alpen

Die Alpen weisen eine grosse kulturelle und sprachliche Diversität auf. So reicht der Bogen der sprachlich-kulturellen Vielfalt von der slawischen über die rätoromanische Sprachgruppe mit den Minderheitensprachen Romanisch, Ladinisch und Friulisch, weiter zur deutschen, die das Allemanische, das Bayerische sowie den Walser-Dialekt, der in einzelnen Gebieten noch gesprochen wird, umfasst, über die gallo-romanische bis zur italo-romanischen Sprachgruppe. Manche dieser Sprachen und Dialekte sind nur noch in Rückzugsgebieten verbreitet und sterben zusehends aus, weil die jüngere Bevölkerung diese Sprache nicht mehr spricht. Teilweise gibt es Bestrebungen, die vom Aussterben bedrohten Dialekte und Sprachen durch spezielle Förderungsprogramme am Leben zu erhalten: sie werden wieder an Schulen unterrichtet, es gibt Radiosender, Zeitungen und Ähnliches.

Auch zeichnen sich die Alpen durch eine hohe biologische und landschaftliche Vielfalt aus, die neben geologischen, morphologischen und klimatischen Faktoren durch eine Jahrtausende alte menschliche Bewirtschaftung beeinflusst wurde.

Nachhaltige Entwicklung in den Alpen

Zunehmend werden die Entwicklungsperspektiven im Alpenraum in den Kontext einer nachhaltigen Entwicklung gestellt, die Schutz und Nutzung gleichermassen beinhaltet.

Nachhaltige Entwicklung ist eine Entwicklung, "die allen heute lebenden Menschen erlaubt ihre Bedürfnisse zu befriedigen, ohne den kommenden Generationen die Möglichkeit zu nehmen ihre Bedürfnisse zu befriedigen." (Brundtland-Kommission 1987)

Bei der nachhaltigen Entwicklung handelt es sich um ein anthropozentrisches Konzept, das ökonomische, ökologische und soziokulturelle Aspekte beinhaltet. Nachhaltigkeit schliesst die Nutzung immer in die Betrachtung mit ein, sie ist aber nicht eine zwingende Voraussetzung für Nachhaltigkeit. Ein wesentlicher Teil einer nachhaltigen Entwicklung kann auch die Auflassung von genutzten Flächen, das bewusste Unterlassen und die absichtliche Entlassung in eine Naturentwicklung sein. Das Konzept der Nachhaltigkeit muss auf verschiedenen Ebenen definiert und umgesetzt werden. Für den Alpenraum als grossräumige Region sind spezifische Leitbilder und Konzepte genauso erforderlich wie konkrete Handlungsanleitungen.

Tun und Unterlassen

Tun und Unterlassen haben beide eine ökonomische und eine ökologische Komponente, wobei Tun eher den Aspekt der Nutzung und Pflege und Unterlassen den Aspekt von Schutz betont. Tun und Unterlassen sind untrennbare Elemente jeder Konzeption und Diskussion zum Thema Nachhaltigkeit. Sie sind jeweils in einem doppelten Sinn zu verstehen:

  • Tun im produktiven Sinn, d.h. die Erhaltung des Alpenraumes als eigenständigen Wirtschaftsraum zur Sicherung der Lebensbedürfnisse durch eine nachhaltige Entwicklung
  • Tun im erhaltenden Sinn, d.h. die Pflege und Gestaltung der Kulturlandschaften zur Erhaltung des Alpenraumes als einen vielfältigen Lebensraum
  • Unterlassen als Notwendigkeit, d.h. der Verzicht auf eine nicht nachhaltige Nutzung
  • Unterlassen als Möglichkeit, d.h. ein vermehrtes Zulassen einer freien Naturentwicklung ohne anthropogene Nutzungseingriffe

Die Alpen als Modellregion

Die Alpen sind im europäischen Rahmen als Modell für eine regionale Konzeption eines nachhaltigen Wirtschaftens besonders geeignet. Das Konzept einer nachhaltigen Entwicklung zielt auf die Sicherung von wirtschaftlich und ökologisch sinnvollen Kreisläufen ab, die das Kernstück nachhaltigen Wirtschaftens bilden. Der Alpenraum ist also für eine Vorreiterrolle in der nachhaltigen Entwicklung innerhalb von Europa prädestiniert. Aufgrund der besonderen natürlichen Voraussetzungen wirken sich Fehler der Bewirtschaftung in einem ökologisch sensiblen Berggebiet wie den Alpen schneller und katastrophaler aus als im Flachland. Sie erfordern raschere Korrekturen und eine überlegtere Vorsorge.

Auch bei der Schaffung einer überzeugenden Konzeption nachhaltigen Wirtschaftens können die Alpen eine Vorreiterrolle spielen. Die Erfahrungen eines naturangepassten Tuns sind im Alpenraum länger erhalten geblieben, wodurch die notwendigen Anpassungen für eine nachhaltige Entwicklung oft leichter durchgeführt werden können. Darüber hinaus trägt ein naturangepasstes Wirtschaften auch zur Pflege und Erhaltung der traditionellen Kulturlandschaften bei.

Nachhaltiges Handeln bedeutet, je nachdem, ob es sich um dicht besiedelte Regionen, um ländliche Gebiete, touristische Zentren oder entvölkerte Gebirgsregionen handelt, etwas Anderes. In diesem Sinne muss eine nachhaltige Entwicklung den entsprechenden natur- und kulturräumlichen Bedingungen angepasst werden.

Die Alpen – eine der dichtest besiedelten Regionen der Erde?

So ist auch auf die unterschiedlichen Bevölkerungsdichten im Alpenbogen Rücksicht zu nehmen. Die Alpen gehören mit einer durchschnittlichen Bevölkerungsdichte von 60 Einwohnern pro Quadratkilometer zwar zu den nicht dicht besiedelten Gebieten, jedoch gibt es innerhalb der Alpen grosse regionale Unterschiede. In diesem Zusammenhang muss auch berücksichtigt werden, dass sich die durchschnittliche Bevölkerungsdichte von 60 Einwohnern pro Quadratkilometer auf die gesamte Alpenfläche bezieht. Nicht in Betracht gezogen wird bei dieser Durchschnittszahl, dass der Dauersiedlungsraum in den Alpen aufgrund der naturräumlichen Gegebenheiten wesentlich kleiner ist. Nimmt man den Dauersiedlungsraum als Berechnungsgrundlage für die Bevölkerungsdichte der Alpen her, so ergibt sich eine Zahl, die viermal höher ist und mit den dichtest besiedelten Regionen der Erde vergleichbar wird.


Staaten/ Einwohnerdichte pro Quadratkilometer 

Schweiz  205
Liechtenstein  231
Österreich 103
Slowenien  103
Deutschland  231
Frankreich 121
Italien  203
Niederlande  498
Kanada 4

(Quelle: http://data.worldbank.org/indicator/EN.POP.DNST)

Verstädterung hier – Entvölkerung dort

Aus bevölkerungsgeographischer Sicht ist in den Alpen das Phänomen einer wachsenden Verstädterung im Gegensatz zu einer verstärkten Entvölkerung feststellbar. Während sich die Städte zu immer grösseren Agglomerationsräumen entwickeln und auch die tiefen Tallagen ein starkes Bevölkerungswachstum aufweisen, ist in den kleinen Gemeinden im eigentlichen Gebirgsraum eine zunehmende Tendenz der Entvölkerung beobachtbar. Nur in einzelnen Gebirgsdörfern, wo der Tourismus eine Haupteinnahmequelle für die dort lebende Bevölkerung darstellt, ist durchaus ein Bevölkerungswachstum festzustellen.

Generell lässt sich festhalten, dass sich der Gegensatz zwischen Verstädterung und zunehmender Entsiedelung im Alpenraum auf mehreren Ebenen abspielt: grossräumig gibt es den Gegensatz zwischen den boomenden Zentralalpen und den sich immer mehr entleerenden Südwestalpen, regional den Gegensatz zwischen den lokalen Zentren, die städtische Agglomerationsräume oder auch Tourismusgemeinden sein können, und dem strukturschwächeren Umland, und nicht zuletzt kleinräumig zwischen den verstädterten Talböden und den verlassenen Seitentälern und Berghängen.

In der weiteren Folge bedeutet das, dass sich die Probleme in den einzelnen Regionen in unterschiedlicher Weise stellen und aus diesem Grund auch die Kriterien für eine nachhaltige Entwicklung den gegebenen Bedingungen angepasst werden müssen.

Berglandwirtschaft

Naturnahe und natürliche Landschaften sowie traditionelle Kulturlandschaften werden heute immer seltener. In immer stärkerem Masse wächst der Wunsch der Gesellschaft, solche Lebensräume zu erhalten oder wiederzugewinnen. Nicht nur aus soziokulturellen Gründen, sondern auch aus einer ökonomischen Motivation findet eine Neubewertung der Flächennutzung im Berggebiet statt. Für die Berglandwirtschaft wird es in Zukunft wichtig und notwendig sein, nicht die Strukturen der grossflächigen konventionellen Betriebe zu übernehmen, sondern eine Nischenproduktion mit hohen Qualitätsstandards und Labels zu entwickeln und zu fördern. Die Entwicklung und Verleihung von kontrollierten Labels für Produkte und Dienstleistungen, die den Aspekten der Nachhaltigkeit entsprechen, sind unbedingt voranzutreiben.

Verursacher sollten Kosten tragen

Der Alpenraum sieht sich vielfältigen ökologischen Belastungen ausgesetzt – sowohl von innen als auch von aussen. Hier sollte das „Verursacherprinzip“ gelten. Verursacher sollten in Zukunft zur Kasse gebeten werden, und zwar so sehr, dass das unerwünschte Tun unterbleibt, sie quasi nachhaltig handeln müssen. Und diese Abgeltung hat unabhängig davon zu erfolgen, ob der Verursacher als Transitverkehr von ausserhalb oder aber auch als Umweltverschmutzer aus dem Berggebiet selber kommt. Die internationalen Verflechtungen und die grenzüberschreitenden Umweltprobleme wachsen. Deshalb muss in einer nachhaltigen Entwicklungsstrategie das isolierte Handeln des Alpenraumes oder einzelner Regionen ausgeschlossen werden. Eine Verflechtung mit Europa heisst nicht, dass die Entscheidung über die Zukunft der Alpen auch ausserhalb fallen muss, denn die Alpenländer haben mit der Alpenkonvention die Chance, eine Regionalisierung voranzutreiben.

Neue Nutzungsbedingungen erfordern neue Nutzungsregeln

Der Strukturwandel im Alpenraum in Wirtschaft, Gesellschaft und Kulturlandschaft hat das Verhältnis zwischen Tun und Unterlassen zum Nachteil biologischer und landschaftlicher Vielfalt verschoben. Wenn Biodiversität und Landschaftsvielfalt gefährdet sind, ist eine Grundbedingung nachhaltiger Entwicklung nicht mehr erfüllt. Neue Nutzungsbedingungen erfordern neue Nutzungsgrenzen, und in diesem Sinne bedeutet Unterlassen auch den Verzicht auf eine nicht nachhaltige Nutzung.

Im Rahmen des Strukturwandels besteht die Möglichkeit, mit verschiedenen Formen des Unterlassens zu experimentieren und natürliche Flächen zu fördern. Anzustreben ist ein Netz von Flächen mit unterschiedlichen Nutzungsintensitäten. Auch sollte den bisherigen Hemmungen, Flächen bewusst aus der produktiven Nutzung herauszuziehen, entgegengewirkt werden. Nur unter der Beachtung dieser verschiedenen Kriterien und Aspekte kann einer nachhaltigen Entwicklung in den Alpen Folge geleistet werden.

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STAATNUTS 1NUTS 2NUTS 3
DeutschlandBayernOberbayernRosenheim Krfr. Stadt, Bad Tölz-Wolfratshausen, Berchtesgadener Land, Garmisch-Partenkirchen, Miesbach, Rosenheim, Landkreis, Traunstein, Weilheim-Schongau
  SchwabenKaufbeuren Krfr. Stadt, Kempten (Allgäu) Krfr. Stadt, Lindau (Bodensee), Oberallgäu, Ostallgäu
ÖsterreichOstösterreichBurgenlandMittelburgenland, Nordburgenland, Südburgenland
  NiederösterreichMostviertel-Eisenwurzen, Niederösterreich-Süd, Sankt Pölten, Wiener Umland/Nordteil, Wiener Umland/Südteil
 SüdösterreichKärntenKlagenfurt-Villach, Oberkärnten, Unterkärnten
  SteiermarkGraz, Liezen, Östliche Obersteiermark, Oststeiermark, West- und Südsteiermark, Westliche Obersteiermark
 WestösterreichOberösterreichSteyr-Kirchdorf, Traunviertel
  SalzburgLungau, Pinzgau-Pongau, Salzburg und Umgebung
  TirolAusserfern, Innsbruck, Osttirol, Tiroler Oberland, Tiroler Unterland
  VorarlbergBludenz-Bregenzerwald, Rheintal-Bodenseegebiet
FrankreichCentre-Est MéditerranéeRhône-AlpesDrôme, Isère, Haute-Savoie, Savoie
  Provence-Alpes-Côte d’AzurAlpes-de-Haute-Provence, Alpes-Maritimes, Var, Vaucluse, Hautes-Alpes
 Italien Nord-OvestPiemonteTorino, Vercelli, Novara, Cuneo, Biella, Verbania
  Valle d’AostaValle d’Aosta
  LiguriaImperia, Savona
  LombardiaLombardiaVarese, Como, Sondrio, Bergamo, Brescia, Lecco
  Nord-EstTrentino-Alto AdigeBolzano-Bozen, Trento
   VenetoVerona, Vicenza, Belluno, Treviso
  Friuli-Venezia GiuliaPordenone, Udine, Gorizia
 Liechtenstein Liechtenstein LiechtensteinLiechtenstein
 Monaco Monaco MonacoMonaco
 Slowenien  Slowenien  Slowenien Podravska, Koroška, Savinjska,Osrednjeslovenska, Gorenjska, Notranjsko-kraška, Goriška
 Schweiz Schweiz SchweizAppenzell I.Rh, Appenzell A. Rh, Bern, Fribourg, Glarus, Graubünden, Luzern, Nidwalden, Obwalden, St.Gallen, Schwyz, Tessin, Uri, Waadt, Wallis

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