Die Alpen17.01.2007
Die Alpen als Region EuropasGemäss der Abgrenzung durch die Alpenkonvention bewohnen rund 13 Millionen Menschen den 190.912 km2 grossen Alpenbogen. Acht Staaten, ca. 100 Regionen (NUTS3) und etwa 6.200 Gemeinden haben an ihm Anteil. Eine einzigartige Natur- und Kulturgeschichte haben die Alpen im Herzen unseres Kontinents zu einem Lebens-, Wirtschafts- und Erholungsraum von europäischer Bedeutung gemacht. zu den Verwaltungseinheiten des Gebiets der Alpenkonvention Die Vielfalt der AlpenDie Alpen weisen eine grosse kulturelle und sprachliche Diversität auf. So reicht der Bogen der sprachlich-kulturellen Vielfalt von der slawischen über die rätoromanische Sprachgruppe mit den Minderheitensprachen Romanisch, Ladinisch und Friulisch, weiter zur deutschen, die das Allemanische, das Bayerische sowie den Walser-Dialekt, der in einzelnen Gebieten noch gesprochen wird, umfasst, über die gallo-romanische bis zur italo-romanischen Sprachgruppe. Manche dieser Sprachen und Dialekte sind nur noch in Rückzugsgebieten verbreitet und sterben zusehends aus, weil die jüngere Bevölkerung diese Sprache nicht mehr spricht. Teilweise gibt es Bestrebungen, die vom Aussterben bedrohten Dialekte und Sprachen durch spezielle Förderungsprogramme am Leben zu erhalten: sie werden wieder an Schulen unterrichtet, es gibt Radiosender, Zeitungen und Ähnliches. Auch zeichnen sich die Alpen durch eine hohe biologische und landschaftliche Vielfalt aus, die neben geologischen, morphologischen und klimatischen Faktoren durch eine Jahrtausende alte menschliche Bewirtschaftung beeinflusst wurde. Nachhaltige Entwicklung in den AlpenZunehmend werden die Entwicklungsperspektiven im Alpenraum in den Kontext einer nachhaltigen Entwicklung gestellt, die Schutz und Nutzung gleichermassen beinhaltet. Nachhaltige Entwicklung ist eine Entwicklung, "die allen heute lebenden Menschen erlaubt ihre Bedürfnisse zu befriedigen, ohne den kommenden Generationen die Möglichkeit zu nehmen ihre Bedürfnisse zu befriedigen." (Brundtland-Kommission 1987) Bei der nachhaltigen Entwicklung handelt es sich um ein anthropozentrisches Konzept, das ökonomische, ökologische und soziokulturelle Aspekte beinhaltet. Nachhaltigkeit schliesst die Nutzung immer in die Betrachtung mit ein, sie ist aber nicht eine zwingende Voraussetzung für Nachhaltigkeit. Ein wesentlicher Teil einer nachhaltigen Entwicklung kann auch die Auflassung von genutzten Flächen, das bewusste Unterlassen und die absichtliche Entlassung in eine Naturentwicklung sein. Das Konzept der Nachhaltigkeit muss auf verschiedenen Ebenen definiert und umgesetzt werden. Für den Alpenraum als grossräumige Region sind spezifische Leitbilder und Konzepte genauso erforderlich wie konkrete Handlungsanleitungen. Tun und UnterlassenTun und Unterlassen haben beide eine ökonomische und eine ökologische Komponente, wobei Tun eher den Aspekt der Nutzung und Pflege und Unterlassen den Aspekt von Schutz betont. Tun und Unterlassen sind untrennbare Elemente jeder Konzeption und Diskussion zum Thema Nachhaltigkeit. Sie sind jeweils in einem doppelten Sinn zu verstehen:
Die Alpen als ModellregionDie Alpen sind im europäischen Rahmen als Modell für eine regionale Konzeption eines nachhaltigen Wirtschaftens besonders geeignet. Das Konzept einer nachhaltigen Entwicklung zielt auf die Sicherung von wirtschaftlich und ökologisch sinnvollen Kreisläufen ab, die das Kernstück nachhaltigen Wirtschaftens bilden. Der Alpenraum ist also für eine Vorreiterrolle in der nachhaltigen Entwicklung innerhalb von Europa prädestiniert. Aufgrund der besonderen natürlichen Voraussetzungen wirken sich Fehler der Bewirtschaftung in einem ökologisch sensiblen Berggebiet wie den Alpen schneller und katastrophaler aus als im Flachland. Sie erfordern raschere Korrekturen und eine überlegtere Vorsorge. Auch bei der Schaffung einer überzeugenden Konzeption nachhaltigen Wirtschaftens können die Alpen eine Vorreiterrolle spielen. Die Erfahrungen eines naturangepassten Tuns sind im Alpenraum länger erhalten geblieben, wodurch die notwendigen Anpassungen für eine nachhaltige Entwicklung oft leichter durchgeführt werden können. Darüber hinaus trägt ein naturangepasstes Wirtschaften auch zur Pflege und Erhaltung der traditionellen Kulturlandschaften bei. Nachhaltiges Handeln bedeutet, je nachdem, ob es sich um dicht besiedelte Regionen, um ländliche Gebiete, touristische Zentren oder entvölkerte Gebirgsregionen handelt, etwas Anderes. In diesem Sinne muss eine nachhaltige Entwicklung den entsprechenden natur- und kulturräumlichen Bedingungen angepasst werden. Die Alpen – eine der dichtest besiedelten Regionen der Erde?So ist auch auf die unterschiedlichen Bevölkerungsdichten im Alpenbogen Rücksicht zu nehmen. Die Alpen gehören mit einer durchschnittlichen Bevölkerungsdichte von 60 Einwohnern pro Quadratkilometer zwar zu den nicht dicht besiedelten Gebieten, jedoch gibt es innerhalb der Alpen grosse regionale Unterschiede. In diesem Zusammenhang muss auch berücksichtigt werden, dass sich die durchschnittliche Bevölkerungsdichte von 60 Einwohnern pro Quadratkilometer auf die gesamte Alpenfläche bezieht. Nicht in Betracht gezogen wird bei dieser Durchschnittszahl, dass der Dauersiedlungsraum in den Alpen aufgrund der naturräumlichen Gegebenheiten wesentlich kleiner ist. Nimmt man den Dauersiedlungsraum als Berechnungsgrundlage für die Bevölkerungsdichte der Alpen her, so ergibt sich eine Zahl, die viermal höher ist und mit den dichtest besiedelten Regionen der Erde vergleichbar wird.
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Die Alpen ...
Quelle: Schöne Neue Alpen, 1998 Impressionen
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