Jung sein – alt werden im Alpenraum Zukunftsperspektiven und Generationendialog05.03.2007
Jahresfachtagung der CIPRA vom 28.- 30.10.1999, Kloster Benediktbeuern/D Stellen die Alpen als Lebensraum eine Zukunftsperspektive für die Jugend dieser europäischen Grossregion dar? Motiviert das sensible Ökosystem Alpen die ältere Bevölkerung zum Abwandern oder ist es attraktiver Alterssitz für die europäische Stadtbevölkerung? Welches ist die besondere Funktion der Alpen für Entwicklungsperspektiven in Europa? Diese Fragen sollen im Rahmen der von CIPRA Deutschland organisierten Jahresfachtagung 1999 im Dialog mit BürgerInnen, Verbänden, SoziologInnen und KommunalpolitikerInnen aus real betroffenen Regionen diskutiert werden. Die aktuelle Entwicklung im Alpenraum ist gekennzeichnet durch völlig unterschiedlich ablaufende Wanderungsströme. Starkes Bevölkerungswachstum durch Verstädterung und Tourismus vor allem in gut erreichbaren tiefen Tallagen steht starker Entvölkerung in Gebieten mit steilem Relief, grosser Höhenlage oder schlechter Erreichbarkeit gegenüber. Es gibt Regionen, in denen nur noch vereinzelt ältere oder gar keine Menschen mehr leben, wie insbesondere im südwest-alpinen Bereich. Andere Regionen in den Nord- und Ostalpen dagegen lösen eine hohe Faszination als Ruhe- und Alterssitz aus und verursachen damit nicht unproblematische Bevölkerungswanderungen. Die so entstehenden räumlichen Disparitäten führen zu gravierenden ökologischen Problemen durch Über- und Unternutzung und verhindern eine nachhaltige Gesamtentwicklung der Alpen. Nur wenn der Lebensraum Alpen seiner Bevölkerung – und hier insbesondere der jungen Generation – eine echte Lebensraum- und Arbeitsplatzperspektive geben wird, kann sich auch die kulturelle Virtualität auf der Basis einer wirtschaftlichen Prosperität entwickeln und damit eine nachhaltige Entwicklung im Alpenraum sichergestellt werden. Nachdem in der Alpenkonvention Bevölkerung und Kultur in Artikel 2 der Rahmenkonvention angesprochen werden, sich dieser Themenbereich aber in der Diskussion bisher nicht dokumentieren konnte, möchte die CIPRA ein Signal setzen, um auch die soziale Komponente der Nachhaltigkeit in das öffentliche Bewusstsein zu heben und auf die Sensibilität des Lebensraumes Alpen aufmerksam zu machen. Erkannte Trends sozialer Instabilität sollen aufgezeigt und Lösungsmöglichkeiten zur Erhaltung und Förderung der kulturellen und gesellschaftlichen Eigenständigkeit der im Alpenraum ansässigen Bevölkerung und zur Sicherstellung ihrer Lebensgrundlagen erarbeitet werden. Anhand von Vorträgen und Podiumsdiskussionen unter Miteinbeziehung des Publikums sollen Perspektiven einer dauerhaft umweltgerechten Zukunftspolitik für die Alpen und für den Dialog zwischen den Generationen in den Alpen realisiert werden. Exkursionen bieten die Möglichkeit vor Ort einen Einblick in die Thematik zu gewinnen. Die Ergebnisse der Tagung sollen die Grundlage für neue Impulse der Alpenkonvention liefern und als konkrete Vorschläge für die Erarbeitung eines Protokolls "Bevölkerung und Kultur" dienen. Konferenzsprachen: deutsch - italienisch - französisch - slowenisch, Simultanübersetzung ProgrammDonnerstag, 28. Oktober19.00 Uhr Eröffnung der Fachtagung "Jung sein - alt werden im Alpenraum. Zukunftsperspektiven und Generationendialog" Freitag, 29. Oktober09.00 Uhr Einführungsreferat: "Die demografische Entwicklung im Alpenraum und sozioökonomische Perspektiven" 09.30 Uhr Themenblock: "Was machen die Jungen mit dem kulturlandschaftlichen Erbe der Alten?" Impuls-Statement: Dr. Josef Heringer, Bayerische Akademie für Naturschutz und Landschaftspflege, Deutschland Talk-Runde mit Leopold Schurti (Biobauer, FL), einem/einer VertreterIn des Projekts "Qualifizierungsmassnahme Gesundheitsferien am Bauernhof" (D), Hugo Penz (Institut f. Geographie, Universität Innsbruck/A), Bruno Zanon (Stadtplaner u. Raumplanungsexperte, Italien), Avgust Lenar (Logarska dolina/SI) Moderator: Christian Schneider, Journalist, Süddeutsche Zeitung, Deutschland 11.15 Uhr Themenblock: Wie verbinden Alt und Jung die lokale Tradition mit dem (virtuellen) Global Village? Impuls-Statement: Diego Anghilante, Lehrer für Philosphie, Schriftsteller, Journalist, Direktor der Zeitschrift "Ousitano vivo", Sampeyre/I Talk-Runde mit Clau Solèr (Lia rumantscha, Chur/CH), Stefan Hirsch (Bezirksheimatpfleger des Bezirks Oberbayern/D), Carlo Neuhuber (Regionaldiakon und Obmann des Vereins Ökumenische Initiative 98+"/A), Janko Malle (Slowenisches Kulturinstitut, Klagenfurt/A), Wolftraud de Concini (Autorin des Buches "Nachbarn in den Alpen"/I), Christoph Lochner (Berchtesgadener Weihnachtsschützen/D) Moderator: Michael Weberpals, Journalist, Redaktion Oberbayern/Bayerischer Rundfunk/D 14.15 Uhr Exkursionen A: "Alpine Kulturlandschaft im Werdenfelser Land – eine Aufgabe der jungen Generation" 18.00 Uhr Vorstellung der Umwelt-Bildungsstätte Kloster Benediktbeuern und Ausklang in der Klosterschänke Samstag, 30. Oktober09.00 Uhr Themenblock "Die Alpen – Zukunftsmodell für Europa!?" Impulsstatement: Christof Schremmer, Österreichisches Institut für Raumplanung, Wien/A Talk-Runde mit Roland Gamma ("Meientals Aufschwung - deine Zukunft", Meien/CH), Hr. Schulte-Middelich (Geschäftsführer der Fraunhofer Management Gesellschaft München, Projekt Kompetenzzentrum für Gerontotechnologie, Bad Tölz/D), Carina Prantl (Geschäftsführerin des TeleZentrum Ötztal, Umhausen/A), Gebhard Bechter (Vizebürgermeister von Langenegg, Pilotgemeinde des Projekts "Lebenswert leben"/A), Franz Nahrada (Zentrum für Soziale Innovation / Municipa Österreich, Wien/A), Nanni Villani (Journalist und Berater des Parco Naturale delle Alpi Marittime, Cuneo/I) Moderator: Günther Schimatzek, Journalist ORF Studio Tirol/A 10.45 Uhr Themenblock: "Was erwarten Alt und Jung vom Protokoll "Bevölkerung und Kultur" der Alpenkonvention?" Impulsstatement: Prof. Dr. Gerlinde Haid, Volkskundlerin, Hochschule für Musik und darstellende Kunst Wien/A Talk-Runde mit Christa Stewens (Staatssekretärin im Bayer. Staatsministerium für Landesentwicklung und Umweltfragen/D), Andreas Weissen (Präsident CIPRA International/CH), Chasper Pult (Centro Culturale Svizzero, Milano/CH), Ester Angelini-Cason (Belluno/I), Gerhard Liebl (Amt der Tiroler Landesregierung/ARGE Alp Innsbruck/A) und Ana Barbic (Universität Ljubljana/SI). Moderatorin: Jutta Berger, Journalistin "Der Standard", Österreich 12.00 Uhr Schluss-Statement |
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