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Energie: Wärme aus dem St. Moritzersee

by ewzedl  —  last modified 2008-08-06 12:15

This climate response measure was submitted by third parties in summer 2008 as part of the competition for the cc.alps project. Responsibility for the contents rests with the persons indicated on the form.




St. Moritz, Engadin, Schweiz

ch (Switzerland)

2006-12-01

offen

Mr Georg Dubacher
ewz


Mr Georg Dubacher
ewz
georg.dubacher@ewz.ch
:
Heizen mit Seewasser auf 1'770 Meter über Meer. In St. Moritz wurde ein solches Projekt für das Badrutt's Palace Hotel und das Schulhaus Grevas realisiert. Die Nutzung der Wärme aus dem Wasser des St. Moritzersees mit Hilfe einer Wärmepumpe verbessert die Umweltbilanz der Heizanlage markant: Im Vergleich zu einer sanierten, fossil betriebenen Anlage werden jährlich 475'000 Liter Heizöl eingespart. Dies entlastet die Luft um 1'200 Tonnen CO2 pro Jahr.

Energy: Heat from lake St. Moritz

Mitigation measure
  • technical
  • strategic
  • financial
  • Energy supply
  • Tourism
  • Nature conservation
  • Water management

local

Verminderung CO2-Ausstoss
Verbesserung Luftqualität
Einsatz erneuerbarer Energie

Hauptziel des Engagements ist die Reduktion des Energieverbrauches, die effiziente Nutzung der Energie und die weitgehende Verwendung erneuerbarer Energie. Diese Ziele standen auch bei der Sanierung der bestehenden Heizungsanlagen des Badrutt's Palace Hotel und des Schulhauses Grevas im Vordergrund. Bisher wurde der Energiebedarf grösstenteils mit fossilen Brennstoffen gedeckt. Die Nutzung der Energie aus dem Wasser des St. Moritzersees mit Hilfe einer Wärmepumpe, die Montage neuer Ölheizkessel mit besserem Wirkungsgrad für die Spitzenlastabdeckung und der Einsatz eines Abgasrekuperators (nutzt die Wärme im Abgas) verbessern die Umweltbilanz der Heizanlage markant.

Sanierung der Energieversorgung für das Badrutt's Palace Hotel und das Schulhaus Grevas: Kernstück der Heizanlage ist das Wärmepumpenbauwerk an der Kantonsstrasse unterhalb des Hotels. Von dort aus führen zwei Leitungen unter der Strasse durch in den See. Auf einer Tiefe von 10 Metern unter der Wasseroberfläche und 50 Meter vom Ufer entfernt, befindet sich die Wasserfassung, die in Spitzenzeiten bis zu 4'120 Liter Wasser pro Minute fördert. Die Lage im See wurde so gewählt, weil die Wassertemperatur dort im Winter konstant vier Grad beträgt. Von der Fassung fliesst das Wasser ohne Pumpenergie zur Wärmepumpe (WP) im Bauwerk. Die WP leistet rund 1'200 kW und verfügt über eine Jahresarbeitszahl von mehr als Drei. Das bedeutet, sie produziert aus einer Kilowattstunde Strom drei Kilowattstunden Wärme. Durch Verdichtung des natürlichen Kältemittels (NH3) und mit der dem Seewasser entzogenen Energie erzeugt die WP Wärme von über 70 Grad Celsius.

Im Vergleich zu einer sanierten, fossil betriebenen Anlage werden jährlich 475'000 Liter Heizöl eingespart. Das entlastet die Umwelt um 1'200 Tonnen CO2 pro Jahr. Obwohl die mit Strom angetriebene Wärmepumpe eine grosse Leistung aufweist, hat sich der Stromverbrauch der gesamten Heizanlage nur geringfügig erhöht, da gleichzeitig eine grosse bestehende Elektroheizung ausser Betrieb genommen wurde.

Assessment criteria for the Jury’s decision


Im Vergleich zu einer sanierten, fossil betriebenen Anlage können jährlich 475'000 Liter Heizöl eingespart werden. Das entlastet die Umwelt um 1'200 Tonnen CO2 pro Jahr. Obwohl die mit Strom angetriebene Wärmepumpe eine grosse Leistung aufweist, hat sich der Stromverbrauch der gesamten Heizanlage nur geringfügig erhöht, da gleichzeitig eine grosse bestehende Elektroheizung ausser Betrieb genommen wurde.

1. Fossil betriebene Energieversorgungsanlagen werden durch umweltfreundliche Anlagen ersetzt (CO2-Reduktion 1'200 Tonnen pro Jahr). 2. Die Massnahme hat eine anhaltende Wirkung, d.h. die CO2-Reduktion ist jährlich wiederkehrend. 3. Für den Betrieb der Wärmepumpe wird nur geringfügig zusätzlicher Strom benötigt, da eine bestehende Elektrodirektheizung ausser Betrieb genommen wurde - der Strom wird effizienter eingesetzt. 4. Die mit diesem Projekt gewonnenen, positiven Erfahrungen führen zu Folgeprojekten mit ähnlichen oder höheren Schadstoff-Reduktionspotenzialen. 5. Zusammenfassung: Das Projekt hat einerseits zu einer direkten Reduktion von CO2-Emissionen geführt und andererseits zu einem effizienteren Einsatz von Energie.
Field Positive impact Neutral impact Negative impact
Landscape X
Alpine ecosytems/biodiversity X X
Water, soil, air X
Others

Die Verminderung der CO2-Emissionen wurde bereits erwähnt. Durch den Ersatz von Ölheizungen werden weitere Schadstoffe wie NOx, CO, HC, SO2 etc. reduziert, was die Luftqualität verbessert. Eine Verbesserung der Luftqualität wirkt sich wiederum positiv auf das alpine Ökosystem aus. Unabhängige biologische und hydrologische Gutachten bestätigen, dass die Anlage keine negativen Auswirkungen auf Fauna und Flora hat. Dem See wird kein Wasser entzogen. Die Eisbildung und die touristischen Aktivitäten auf dem See werden nicht beeinflusst.
Field Positive impact Neutral impact Negative impact
Social justice X
Co-determination/participation X
Regional/cultural identity X
Others

Neu wird mit dem Seewasser eine lokale Energieressource genutzt. Öl als nicht erneuerbarer Energieträger fällt grösstenteils weg. In St. Moritz zeigt die Reaktion der Bevölkerung und das Engagement der Politik, dass ein grosses Interesse für die Nutzung lokaler und umweltfreundlicher Energieressourcen besteht. Diese positive, überregionale Wirkung hat zu einem zweiten, noch grösseren Projekt mit Seewassernutzung in St. Moritz-Bad geführt (siehe Punkt 7).
Field Positive impact Neutral impact Negative impact
Employment X
Value added/income X
Know-how/competitiveness X
Others

a) Der professionelle Betrieb und Unterhalt der Anlage schafft einen zusätzlichen lokalen Arbeitsplatz. b) Die Wertschöpfung von Bau und Betrieb der Anlage während 30 Jahren fällt grösstenteils vor Ort an. c) Wären die bestehenden fossil betriebenen Heizungen saniert worden, müsste Öl für die kommenden Jahre im Ausland bezogen werden. Mit dem umgesetzten Projekt fällt die Wertschöpfung der Energiebereitstellung lokal an und ein grosser Teil des Transportes von Öl entfällt. d) 80 % der Investitionen (Planung und Bau) fallen regional an. Sie sind, verglichen mit jenen bei konventionellen Anlagen, um Faktor 2-3 höher. e) Die positiven Auswirkungen für den Tourismus sind nicht quantifizierbar. Gäste verlangen laut Aussagen von Hotel-/Tourismusverantwortlichen vermehrt innovative Projekte.

Dauernde Massnahmen: 1. Es wurde eine Informationsbroschüre in D/E/I produziert, die im Badrutt's Palace Hotel, im Schulhaus Grevas und im Gemeindehaus aufliegt. Sie informiert über das Projekt 'Wärme aus dem See'. 2. Es ist eine Informationstafel im Bereich der Seepromenade vorgesehen, die über die Nutzung von Seewasser für Heizzwecke informiert. Informationsveranstaltungen: Im November 2007 fand eine mehrtägige Informationsveranstaltung statt. Dabei wurde die Bevölkerung, die SchülerInnen des Schulhauses Grevas, Vertreter von Umweltorganisationen sowie die Presse und das Fachpublikum (Planer, Architekten, Ingenieure) umfassend informiert und durch die Anlagen geführt. Im Juli 2008 wird anlässlich der Übergabe des Labels 'Energiestadt' das Folgeprojekt in St. Moritz-Bad vorgestellt.

Das Projekt (Wärme aus einem alpinen See) kann und wird in Folgeprojekten wiederholt. ewz hat ein entsprechendes Projekt in St. Moritz-Bad in Vorbereitung. Beschreibung Wärmeverbund St. Moritz-Bad: Wärmebedarf Energieverbund ca. 31'000 MWh/a, davon Deckung mit Wärmepumpe ca. 70 bis 75%, Wärmequelle Seewasser, Einsparung fossile Brennstoffe ca. 2'200'000 Liter Heizöl/a, entsprechende CO2-Reduktion ca. 6'000 Tonnen/a. Weitere Projekte sind in Vorbereitung. Sind erneuerbare Quellen in genügender Menge vorhanden, kann mit neuen Technologien auch im alpinen Raum die Beheizung von Liegenschaften mit fossilen Brennstoffen reduziert werden. Jeder Ort hat seinen individuellen Charakter. Diesem Aspekt muss beim Start eines neuen Projekts Beachtung geschenkt werden.

1. Stadt Zürich: a) Strategie 2025: eine sozial, ökologisch und energiepolitisch vorbildlich handelnde Stadt. b) Legislaturziele bis 2010 und Masterplan Energie: Auf dem Weg zur 2000 Watt Gesellschaft. 2. ewz: a) Hauptziel des Engagements ist die Reduktion des Energieverbrauches, die effiziente Nutzung der Energie und die Deckung des Bedarfs mit erneuerbarer Energie. b) Aufbau von Energiedienstleistungen für die Realisation und den Betrieb von Anlagen wie das Projekt in St. Moritz. Im Leistungsauftrag für das Geschäftsfeld Energiedienstleistungen ist definiert, dass der rationelle und effiziente Einsatz von Energie zu fördern ist. Dies mittels intelligenter Konzepte und Anlagen. 3. Gemeinde St. Moritz: St. Moritz ist mit dem Label "Energiestadt" ausgezeichnet.

Further information


Wärmequelle: Als Wärmequelle für die Wärmepumpe dient 4-grädiges Wasser aus dem alpinen St. Moritzersee, welches in 10 Meter Tiefe gefasst wird. Damit werden ein Fünfsterne-Hotel, ein Schulhaus und künftig möglicherweise weitere Objekte mit Wärme versorgt. Die Wärmepumpe mit natürlichem Kältemittel produziert Wärme von über 70 °C. Dies mit einer Jahresarbeitszahl von 3.

Euro 2'500'000

Sind erneuerbare Quellen in ausreichender Menge vorhanden, zeigt das beschriebene Projekt, dass im Alpenraum solche Energieversorgungskonzepte realisierbar sind. Jeder Ort hat seinen individuellen Charakter und seine Eigenheiten, die beim Start eines neuen Projektes zu beachten sind. Das Geld würden wir deshalb in Projektstudien für weitere Projekte im alpinen Raum investieren.
:

Administration (local, regional, national)

ewz erstellt und betreibt Anlagen, die einerseits möglichst wenig Energie verbrauchen und andererseits den benötigten Energiebedarf effizient, wirtschaftlich und gleichzeitig ressourcen- und umweltschonend bereitstellen. ewz übernimmt alle Aufgaben: die Entwicklung, die Planung, die Finanzierung, den Betrieb der Anlagen und die Lieferung der benötigten Energie.

Gemeinde St. Moritz und Badrutt's Palace Hotel.

Photos, illustrations, documents


Seewasserleitung vor der Absenkung auf den Seegrund.


Informationsveranstaltung im Schulhaus Grevas. Es ist ewz ein grosses Anliegen, dass alle BenutzerInnen wissen, woher die Wärme für ihr Schulhaus geliefert wird.


Installation der Ammoniak (NH3)-Wärmepumpe. Wann immer möglich kommen bei Anlagen von ewz, Wärmepumpen mit natürlichen Kältemitteln zum Einsatz.

Other documents

Angehängt ist die Projektdokumentation. Sie liegt im Badrutt's Palace Hotel, dem Schulhaus Grevas, dem Gemeindehaus und bei der Tourismusorganisation "Engadin St. Moritz" auf.

Enclosed is the english and italian version of the project "Heat from lake St. Moritz".


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