Klimavorsorge im Bergwald durch Förderung der Baumart Tanne
by
drdmueller
—
last modified
2009-05-29 11:35
This climate response measure was submitted by third parties in summer 2008 as part of the competition for the cc.alps project. Responsibility for the contents rests with the persons indicated on the form.
Landkreis Traunstein
de (Germany)
Yes
1992-07-01
Seit 1992
Mr Daniel Müller
Bayerische Staatsforsten, Forstbetrieb Berchtesgaden
Mr Daniel Müller
Bayerische Staatsforsten, Forstbetrieb Berchtesgaden
daniel.mueller@baysf.de
:
Seit 1992 wurde die klimatolerante, standortgemäße Bergmischwald-Baumart Tanne gezielt gefördert. Nach einer erfolgreichen Reduktion der überhöhten Schalenwildbestände konnte die Vorausverjüngungsfläche der Tanne im 3.059 ha großen Maßnahmengebiet in 14 Jahren um 586 % gesteigert werden. Dies gelang vor allem über Naturverjüngung. Aktuelle Inventurdaten zeigen, dass in Beständen ab 70 Jahren die Vorausverjüngung der Tanne von 50 ha (1992) auf 293 ha (2006) gesteigert werden konnte.
Seit 1992 wurde die klimatolerante, standortgemäße Bergmischwald-Baumart Tanne gezielt gefördert. Nach einer erfolgreichen Reduktion der überhöhten Schalenwildbestände konnte die Vorausverjüngungsfläche der Tanne im 3.059 ha großen Maßnahmengebiet in 14 Jahren um 586 % gesteigert werden. Dies gelang vor allem über Naturverjüngung. Aktuelle Inventurdaten zeigen, dass in Beständen ab 70 Jahren die Vorausverjüngung der Tanne von 50 ha (1992) auf 293 ha (2006) gesteigert werden konnte.
Securing mountain forests by promoting silver fir
Adaptation measure
- strategic
- biologisch, waldbaulich
- Forestry
- Natural hazards management
- Nature conservation
- Tourism
regional, small-scale (association of municipalities, valley region, etc.)
Klimavorsorge
Tanne
Verbissreduktion
Ziel der Steigerung des Tannenanteils zu Lasten der Fichte ist die Sicherung des Bergmischwaldes und seiner Wohlfahrtsleistungen in Zeiten des Klimawandels. Durch die Klimaveränderung (häufigere und stärkere Stürme, Starkniederschläge sowie Trockenperioden) ist der Wald im Alpenraum und die mit ihm verbundenen Wohlfahrtsleistungen besonders gefährdet. Ein höherer Tannenanteil steigert die Klimaresistenz des Waldes und reduziert dadurch die negativen Folgen des Klimawandels. Die tiefwurzelnde Tanne widersteht Stürmen und Trockenperioden in der Regel besser als die Fichte. Die Tanne ist im Gegensatz zur Fichte nicht großflächig von Borkenkäfern bedroht. Mit ihrer hohen Wurzelenergie vermag die Tanne den Boden besser aufzuschließen und verbessert so die Wasseraufnahme des Bodens nach Starkregenereignissen. Damit wird die Gefahr eines zu raschen Oberflächenabflusses gemindert.
Mit Hilfe eines differenzierten Jagdkonzeptes und eines nachhaltig angelegten Jagdmanagements wurde der Schalenwidbestand im Maßnahmengebiet so angepasst, dass sich die Tanne auf großer Fläche unbehindert natürlich verjüngen konnte. Dort, wo keine Tannen als Samenbäume vorhanden waren, wurde die Tanne gepflanzt. Durch Vermeidung von Kahlschlägen wurde die aufwachsende Tanne gefördert, indem die konkurrierende Fichte durch Beschattung im Wuchs gebremst wurde. Sofern erforderlich wurden die Tannen im Rahmen der Bestandspflege durch Entnahme bedrängender Fichten gezielt gefördert.
Der Vergleich der Inventurergebnisse aus den Jahren 1992 und 2006 dokumentiert den Erfolg der Tannenförderung: - Reduktion des Verbisses an Leittrieben der Tanne von 30% im Jahre 1992 auf nur noch 4% im Jahre 2006. - Erhöhung der Fläche der Vorausverjüngung in den Beständen ab 70 Jahren von 383 ha auf 993 ha. - Mehrung der Vorausverjüngungsfläche der Tanne von 50 ha auf 293 ha in den Beständen ab 70 Jahren. - Vermehrung der Tannen in den Beständen ab 70 Jahren von 250.000 auf 1.465.000 Verjüngungspflanzen. - Erhöhung des Anteils der Tanne von 11% auf 20% in Beständen, die zwischen 1 und 20 Jahre alt sind.
Assessment criteria for the Jury’s decision
Die Sicherung der Flächensubstanz des Bergmischwaldes durch die Erhöhung des Tannenanteils stellt einen Beitrag zum Klimaschutz dar. Sich durch Trockenheit, Sturm oder Borkenkäfer flächig auflösende Bergwälder führen zur vermehrten Freisetzung von Kohlendioxid aus der Biomasse des Waldes und dem Humus des Waldbodens. Als Nebeneffekt der tannenfreundlichen langen Verjüngingszeiträume und dem Verzicht auf Kahlschläge wurde der stehende Holzvorrat im Maßnahmengebiet zwischen den Jahren 1992 und 2006 um 15 % bzw. 168.000 fm erhöht. Damit wurden etwa 118.000 to Kohlendioxid der Atmosphäre entzogen und im Holz gebunden.
Positive Folgen der Steigerung des Tannenanteils sind die nachhaltige Sicherung des Bergmischwaldes und seiner Wohlfahrtsleistungen. Der erreichte höhere Tannenanteil steigert die Klimaresistenz des Waldes und reduziert die negativen Folgen des Klimawandels. Die tiefwurzelnde Tanne widersteht Stürmen und Trockenperioden in der Regel besser als die Fichte. Die Tanne ist im Gegensatz zur Fichte nicht großflächig von Borkenkäfern bedroht. Mit ihrer hohen Wurzelenergie vermag sie den Boden besser aufzuschließen und verbessert so die Wasseraufnahme des Bodens nach Starkregenereignissen. Damit wird die Gefahr eines zu raschen Oberflächenabflusses gemindert. In Bergwäldern, in denen keine bzw. nur wenige Tannen vorhanden waren, konnte in den letzten Jahren durch den Ausfall der Fichten nach Stürmen und Massenvermehrung von Borkenkäfern eine fortschreitende Auflösung von Waldbeständen und der Verlust bzw. die Verminderung der Schutzfähigkeit festgestellt werden.
| Field | Positive impact | Neutral impact | Negative impact |
|---|---|---|---|
| Landscape | X | ||
| Alpine ecosytems/biodiversity | X | ||
| Water, soil, air | X | ||
| Others | |||
|
Im Maßnahmengebiet wäre die Tanne von Natur aus mit Anteilen von 30 % bis 40 % vertreten. Die substanzielle Sicherung der Bergmischwälder durch die Steigerung des Tannenanteils wirkt sich daher nachhaltig positiv auf den Erhalt des Landschaftsbildes und die Sicherung der Lebensräume in den Alpen aus. Geringe Tannenanteile reduzieren die Überlebenswahrscheinlichkeit des Bergwaldes. Ein flächiger Verlust von Bergwald steigert die Nachteile durch Erosion, Hochwasser, Lawinen und Steinschlag. |
|||
| Field | Positive impact | Neutral impact | Negative impact |
|---|---|---|---|
| Social justice | X | ||
| Co-determination/participation | X | ||
| Regional/cultural identity | X | ||
| Others | |||
|
Die Sicherung des Bergwaldes fand im Staatswald statt, der insbesondere im Bayerischen Alpenraum von den Bürgerinnen und Bürgern als "mein Wald" verstanden wird. Da sehr viele Einheimische Vorfahren haben bzw. hatten, die im Bergwald gearbeitet haben, hängt die kulturelle Identität am Erhalt "Ihres" Waldes. |
|||
| Field | Positive impact | Neutral impact | Negative impact |
|---|---|---|---|
| Employment | X | ||
| Value added/income | X | ||
| Know-how/competitiveness | X | ||
| Others | |||
|
Der nachhaltige Erhalt eines leistungsfähigen Bergwaldes sichert langfistig direkt und indirekt am Cluster Holz hängende Arbeitsplätze (Forstwirtschaft sowie Holz be- und verarbeitende Betriebe). Eine erhebliche Wertschöpfung wird in der Region auch durch den hochentwickelten Tourismus generiert. Sich im Klimawandel auflösende Bergwälder gefährden aus ästhetischen Gründen den Tourismus. Eine abnehmende Schutzwirkung des Bergwaldes bedroht Verkehrswege, Siedlungen und Wirtschaftsstandorte. |
|||
Mit Hilfe eines Bergwalderlebnispfad (ca. 10.000 Besucher im Jahr) im Maßnahmengebiet sowie zahlreichen Exkursionen und ständiger Medienarbeit werden die Vorteile der Naturnahen Waldbewirtschaftung, insbesondere des Wertes der Tanne für den Bergmischwald, einer breiten Öffentlichkeit nahe gebracht.
Der Nutzen einer konsequent auf die Erfordernisse des Bergmischwaldes in Zeiten des Klimawandels ausgerichtete Jagdbewirtschaftung ist sicherlich auf viele Bergwälder des Alpenraum übertragbar. Die Vorteile der Baumart Tanne für die Erfüllung der Schutzfunktionen des Bergwaldes sind auf geeigneten Standorten überregional unverzichtbar. Die dokumentierten Erfolge bei der Mehrung der Tanne können Entscheidungsträger dazu motivieren, die sich vielerorts nach der Eiszeit natürlich eingestellten hohen Tannenanteile auch in anderen Regionen wieder herzustellen.
Die Förderung der Tanne im Rahmen der naturnahen Waldbewirtschaftung ist Bestandteil des Nachhaltigkeitskonzepts der Bayerischen Staatsforsten. Weitere Umsetzungen des Nachhaltigkeitskonzepts sind die konsequente Umstellung auf Ökostrom (seit dem 01.07.2008) sowie die energetische Komplettsanierung des örtlich zuständigen Forstbetriebsgebäudes in Berchtesgaden und weiterer Forsthäuser. Durch Übernahme der Logistik beim Holzverkauf wurden die durchschnittlichen Frachtentfernungen reduziert. Das verstärkte Engagement der Bayerischen Staatsforsten im Bereich der regenerativen Energien aus Biomasse, Wind und Wasser folgt ebenso dem Ziel des verstärkten Klimaschutzes.
Further information
Änderung der Jagdstrategie: Statt dem traditionellen Ziel ausgereifte Trophäen zu ernten steht die Reduktion des Wildverbisses eindeutig im Vordergrund. Neben der Einzeljagd (Ansitz- und Pirschjagd) werden sehr große Erfolge auch mit Bewegungsjagden (Drück-, Riegel- und Stöberjagden) erzielt.
Seit 1992 nicht solide zu beziffern.
Weitere Förderung der Tanne durch Pflanzung und Pflege mit Kooperationspartnern. Bewusstseinsbildung zum Thema Klimavorsorge im Alpenraum durch waldpädagogische Maßnahmen (insbesondere mit Kindern).
Online information on the measure
Klimakonzept für den Staatswald in Bayern
http://www.baysf.de/fileadmin/user_upload/2008/pdf/Klimakonzept_BaySF_LWF-aktuell_2007.pdf
Waldbaugrundsätze der Bayerischen Staatsforste
http://www.baysf.de/fileadmin/user_upload/2008/pdf/Waldbaugrundsaetze_Vollversion.pdf
Nachhaltigkeitskonzept der Bayerischen Staatsforsten
http://www.baysf.de/de/home/unternehmen_wald/aktuelles/publikation/article/50/das-nachhaltigkeitskonzept-der-bayerischen-staatsforsten.html
:
Administration (local, regional, national)
Bayerische Staatsforstverwaltung bis 30.06.2005 Bayerische Staatsforsten AöR seit 01.07.2005
Photos, illustrations, documents
Lage der mit Hilfe einer Wiederholungsinventur analysierten Maßnahmenflächen (rot) am Alpenrand im Südosten Bayerns zwischen den Städten Bad Reichenhall und Traunstein
Eine der zahlreichen aus Naturverjüngung hervorgegangen unverbissenen Tannen der Bayerischen Staatsforsten am Forstbetrieb Berchtesgaden
Fichtenaltbestände werden klimatolerante gemischte Bestände aus Tanne, Fichte, Buche und Bergahorn umgewandelt
Other documents
Entwicklung der Baumartenverteilung in der Vorausverjüngung der Waldbestände ab 70 Jahren.Entwicklung der Baumartenverteilung im Maßnahmengebiet in den Waldbeständen, die 1 Jahr bis 20 Jahre alt sind.
Entwicklung der Baumartenverteilung in der Vorausverjüngung der Waldbestände ab 70 Jahren.
080729_CIPRA 2 b.xls
(