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Davos auf dem Weg nach Kyoto: Effektiver Klimaschutz dank lokaler CO2-Bilanz

by Stoeckli  —  last modified 2009-05-29 09:30

This climate response measure was submitted by third parties in summer 2008 as part of the competition for the cc.alps project. Responsibility for the contents rests with the persons indicated on the form.




Davos

ch (Switzerland)

Yes

2005-12-01

Phase 1: Dezember 2006, Phase 2: 2010

Mr Gian Paul Calonder
Gemeinde Landschaft Davos


Ms Veronika Stöckli
Institut für Schnee- und Lawinenforschung
v.stoeckli@slf.ch
:
Die Gemeinde Landschaft Davos hat gemeinsam mit Forschenden des SLF und der WSL eine umfassende CO2-Bilanz erstellt . Diese zeigt, dass die Emissionen pro Person überdurchschnittlich hoch sind, Wärme fast ausschliesslich über Heizöl gewonnen wird, und erneuerbare Energien nur marginal genutzt werden. Der Wald schluckt rund 10% der jährlichen Emissionen. Die Gemeinde entwickelt nun CO2-basierte Aktions- und Förderprogramme und informiert die Öffentlichkeit über Massnahmen zum Schutz des Klimas.

Davos on the road to Kyoto: The CO2-budget indicates where to reduce emissions and how to deal with carbon sinks

Mitigation measure
  • strategic
  • financial
  • Öffentlichkeitsarbeit
  • Energy supply
  • Building industry and housing
  • Transport and mobility
  • Kommunalpolitik

local

CO2-Bilanz
Förderprogramme
Öffentlichkeitsarbeit

Davos als grosse Wintersportdestination und als Luftkurort hat ein besonderes Interesse am Klimaschutz, und ist bereit, dieses globale Problem auch vor der eigenen Haustür anzugehen. Die CO2-Bilanz wurde initiiert, um die massgeblichen CO2-Quellen und -Senken in der Landschaft Davos zu kennen und damit die Ansatzpunkte für wirksame Massmnahmen zu identifizieren. Für diese Massnahmen galt es ihre Machbarkeit zu eruieren, um schliesslich das gemeindeeigene Emissionssparziel von minus 15% (gegenüber 2004) bis 2014 anzugehen. Die CO2-Bilanz soll zudem das allgemeine Verständnis und die Verantwortung für die CO2-Problematik fördern, indem sie die verschiedenen Emittenten und Emissionen aus dem Lebensumfeld der Davoserinnen und Davoser aufzeigt. Mit der politisch getragenen Umsetzung von Massnahmen zur Reduktion der CO2-Emissionen in der Landschaft Davos will sich die Gemeinde zudem als Musterbeispiel für eine Gebirgsregion im Kyoto-Fahrplan präsentieren.

Nach erfolgreicher Projekteingabe bei Gemeinde und Bund (KTI) wurden zunächst die CO2-Emissionen und -Senken in der Landschaft Davos identifiziert und berechnet. Die Ergebnisse wurden mit Vorschlägen zur Umsetzung ergänzt, in einem umfassenden Bericht ausgeführt und über einen Medienanlass publiziert. In einer zweiten Phase setzt die Gemeinde emissionsmindernde Massnahmen um. So organisierte sie im 2007 die "Energiestadtgespräche", mit welchen die Bevölkerung über die Möglichkeiten der gesteigerten Energieeffizienz und der Nutzung erneuerbarer Energien informiert wurde. Im Weiteren informierte die Gemeinde in einem Schreiben zuhanden der Ferienhausbesitzenden über klimaschonende Wärmeregulation. Sie stellte zudem CO2-Werbeplakate auf und unterstützte eine Aktion zum Verkauf von Energie-sparenden Wasserdüsen. Zur Zeit wird ein Förderprogramm Energie auf Basis der CO2-Emissionen formuliert, und eine Regelung der Nutzung von Aussenwärme definiert. Weitere Aktivitäten folgen.

Die CO2-Bilanz zeigt, dass Davos im Hinblick auf den Klimaschutz spezifische Probleme einer touristischen Berggemeinde hat: hoher Wärmebedarf, grosse Zahl beheizter Zweitwohnungen, wärmetechhnisch ineffektive Bausubstanz, und die nur spärliche Nutzung der theoretisch reichlich vorhandenen erneuerbaren Energien. Die Studie zeigt aber auch, dass Davos viel Potenzial hat, die Emissionen erheblich zu reduzieren, - in erster Linie über die Wärmedämmung von Gebäuden und die vermehrte Nutzung eigener erneuerbarer statt importierter fossiler Energien. Der Davoser Wald kann über eine optimale Kombination von Bau- und Brennstoffen und Kohlenstoff-Senken noch mehr zum Klimaschutz beitragen als bis anhin. Die Davoser Aktivitäten zum Klimaschutz setzen in erster Linie bei all diesen Ergebnissen an. Die seit Publikation der Studie erreichte Emissions-Ersparnis lässt sich noch nicht beziffern. In einer Nachfolge-Arbeit soll der Spar-Effekt erhoben, und die Aktivitäten entsprechend angepasst werden

Assessment criteria for the Jury’s decision


Die CO2-Bilanz bezeichnet die Emittenten und Senken in der Landschaft Davos und beziffert ihren CO2-Umsatz mit robusten Zahlen. Auf Basis dieser detaillierten Auslegeordnung schlägt die Studie 70 mögliche Sparmassnahmen in den Bereichen Heizen, Verkehr, Licht und Maschinen, sowie Wald- und Holznutzung vor. Dabei ist für jede Massnahme ihre Machbarkeit geprüft, und das CO2-Einsparpotenzial und die ungefähren Kosten berechnet worden. Die Massnahmen wurden in einem weiteren Schritt kombiniert, um die Erreichbarkeit verschiedener Sparziele zu prüfen: Minus 15% CO2 bis 2014 im Vergleich zu 2004 (das Sparziel der Gemeinde), die 2000-Watt-Gesellschaft, und "Davos CO2-neutral". Die Studie zeigt, dass das Sparziel der Gemeinde mit heutigen Technologien weit übertroffen werden kann. Die Gemeinde nutzt die Informationen, um im eigenen Verantwortungsbereich im Sinne des Klimaschutz zu handeln und um effektive Massnahmen zur privaten Umsetzung zu fördern.

Die CO2-Bilanz und die darin vorgeschlagenen Massnahmen setzen in erster Linie auf den Klimaschutz, respektive die Reduktion deswichtigsten Treibhausgases CO2. Die Aktivitäten fördern aber auch die Anpassung an den Klimawandel. So werden beispielsweise lokal vorhandene erneuerbare Energien und Rohstoffe sowie enge Stoffkreisläufe als Alternativen zu den importierten fossilen Energieträgern propagiert, was auch dem lokalen Gewerbe zugute kommt. Die anhaltende Präsenz des Themas in den lokalen Medien und der lokalen Politik führt zudem zu einem gesteigertem Bewusstsein für die Klimaänderung. Die verschiedenen Akteure in Politik, Wirtschaft und im privaten Bereich werden sensibilisiert und so befähigt, den Wandel besser zu antizipieren. Dass die Gemeinde die CO2-Bilanz selbst initiiert hat, ist Ausdruck dieser Bereitschaft, vorzusorgen. Wie und ob all dies in Wert gesetzt wird, soll in einer Folgestudie analysiert werden.
Field Positive impact Neutral impact Negative impact
Landscape X
Alpine ecosytems/biodiversity X
Water, soil, air X
Others X

Die vorgeschlagenen Massnahmen führen über verkürzte Stoffkreisläufe, verbesserte Energieeffizienz und über den reduzierten Einsatz fossiler Energien zu verringerten Schadstoffemissionen. In Zahlen ausgedrückt kann die Gemeinde mit passenden Massnahmen rund ein Drittel ihrer Emissionen (33'000 Tonnen CO2) theoretisch einsparen, sicher aber ihr Sparziel (16'400 Tonnen CO2) bis 2014 realisieren. Die Nutzung von lokal gewachsenem Holz als Bau- und Brennmaterial könnte zusätzliche rund 4'300 Tonnen CO2 fixieren. Eine radikale Förderung der Senken durch Aufforstung in landwirtschaftlich wenig genutzten Flächen wird jedoch nicht empfohlen, da die erreichbare Ersparnis von rund 2500 Tonnen CO2 pro Jahr wenig klimawirksam ist, jedoch Natur und Landschaftsbild übermässig beeinträchtigt.
Field Positive impact Neutral impact Negative impact
Social justice X
Co-determination/participation X
Regional/cultural identity X
Others X

Die Gemeinde Landschaft Davos hat die CO2-Bilanz initiiert und mitfinanziert um die besten Mittel und Wege zu kennen, mit welchen die globale Herausforderung Klimawandel vor der eigenen Haustüre anzugehen sind. Sie zeigt damit über das national und international politisch geforderte Mass hinaus Verantwortung für das Klima. Über anhaltende Öffentlichkeitsarbeit wird in Davos das Verständnis für den Klimawandel, seine Treiber und besonders die Möglichkeiten im Alltag dagegen anzugehen, propagiert. Dadurch wird die Wahrscheinlichkeit gefördert, dass die Bevölkerung auch aktiv wird. Die Gemeinde möchte ihre Geschichte weiterpflegen und als Pionierin - eine im Klimaschutz aktive Tourismus- und Berggemeinde - international ausstrahlen. Der Effekt all dessen wird sich erst später weisen.
Field Positive impact Neutral impact Negative impact
Employment X
Value added/income X
Know-how/competitiveness X
Others X

Die CO2-Bilanz deckt für Davos verschiedene Bereiche mit Handlungsmöglichkeiten zum Schutz des Klimas auf. Zu den effektivsten der über 70 berechneten emissionsmindernden Massnahmen gehört die wärmetechnische Sanierung der Gebäude, und der Ersatz von fossilen Energieträgern durch erneuerbare. Die entsprechenden Möglichkeiten wurden in diversen Veranstaltungen der Bevölkerung vorgestellt. Unternehmen, welche in diesen und ähnlichen Sektoren aktiv sind, können vom Schub profitieren, welcher von diesen Aktivitäten ausgeht. Insbesondere der lokalen Baubranche bietet dies vermehrte und neue Perspektiven, - und damit auch Alternativen zum herkömmlichen Zweitwohnungsbau. Der tatsächliche "Impact" wird erst in einigen Jahren sichtbar.

Nach Vorliegen des Berichts zur CO2-Bilanz wurde ein Medienanlass terminlich nahe zu den Energiedebatten sowohl im Kantons- wie im Nationalrat gelegt, was zu einem grossen Medienecho führte: Über 70 Medien, unter anderen die Tagesschau des Schweizer Fernsehens, berichteten über die Studie und ihre Ergebnisse, und verbreiteten so die Davoser Anstrengungen zum Klimaschutz weit über die Gemeindegrenzen hinaus. Neben dieser medialen Veranstaltung mit schweizweiter Ausstrahlung wurden die Ergebnisse der Studie in Davos öffentlich präsentiert, und Informationsveranstaltungen zu Massnahmen und Technologien zur Reduktion des CO2-Ausstosses organisiert. Eine Plakat im Bahnhof weist zudem Reisende auf die vermiedenen CO2-Emissionen einer Zugsreise hin. Diese Anstrengungen werden weitergeführt.

Die Methoden, Erfahrungen und Ergebnisse der CO2-Bilanz der Landschaft Davos Gemeinde und ihre Umsetzungsschritte sind übertragbar, obschon in Davos die Datenlage und das Engagement der Gemeinde ausserordentlich gut ist. Jede der Analyse- und Umsetzungsschritte liesse sich auf andere Gemeinden und auch auf Unternehmungen und Institutionen übertragen. Da alle Gemeinden, Institutionen oder Unternehmen im Berggebiet vor der gleichen Herausforderung stehen, ist eine vergleichbare CO2-Bilanz auch für andere sehr zu empfehlen. Voraussetzung ist, dass die verschiedenen Akteurinnen und Akteure bereit sind, finanziell wie ideell die Aktivitäten zu unterstützen und die Konsequenzen zu tragen.

Die Gemeinde Landschaft Davos hat erkannt, dass sie - nicht zuletzt aus eigenem Interesse - im Klimaschutz aktiv werden muss. So ist Davos Energiestadt und engagiert sich erfolgreich insbesondere im Bereich Öffentlicher Verkehr um den Umwelt- und Klimaschutz. Die CO2-Bilanz ist im Rahmen aller Massnahmen der Gemeinde ein Meilenstein, der den aktuellen Zustand bilanziert, und spezifische Anpassungen der gemeindeeigenen Klimaschutz-Strategie ermöglicht. Die Studie zeigt in allen Bereichen der Gemeinde Ansatzpunkte für vermehrte Anstrengungen zum Klimaschutz, welche nun in den einzelnen Bereichen vertieft oder neu angesetzt werden. Durch die Bezifferung der Emissionen ist es heute in Davos möglich, die Wirksamkeit von Massnahmen in Tonnen CO2 einfach zu berechnen.

Further information


Die Davoser CO2-Studie ist die erste umfassende CO2-Bilanz einer Gemeinde. Sie beziffert nicht nur alle Emissionen sehr genau, sondern eruiert auch die Kohlenstoff-Senken. Herausragend ist auch die enge Verknüpfung von Analyse und Umsetzung: Förderprogramme und Reglemente im Bereich Klimaschutz werden neu auf Basis der nun einfach ermittelbaren CO2-Emissionen formuliert.

85'000.-

Das Preisgeld würden wir für eine zweite C02-Bilanz einsetzen. Diese sollte erneut die Emissionen und Senken erheben und ein besonderes Gewicht auf das Controlling der bis dahin getroffenen Massnahmen setzen. Auf dieser Basis liessen sich einerseits für Davos die Aktivitäten neu justieren, und andereseits generell die "Best Practices" im Klimaschutz für Berggemeinden eruieren.

Online information on the measure


Die Davoser CO2-Bilanz. Der Bericht beschreibt auf 97 Seiten die allgemeine Klimaentwicklung, das methodische Vorgehen, die errechneten CO2-Emissionen und Senken in den Bereichen Heizen, Verkehr, Licht und Maschinen und im Wald, die Prüfung spezifischer CO2-Sparziele (minus 15% CO2, Davos 2000-Watt-Gesellschaft, Davos CO2-neutral), sowie schliessliche eine Diskussion der Ergebnisse und empfohlene Massnahmen zur Umsetzung.
http://www.slf.ch/media/co2/CO2_Bilanzierung.pdf


Medienmitteilung zur Publikation der CO2-Bilanz. Die Studie und ihre Ergebnisse haben über den Medienanlass zu einem beachtlichen Medienecho geführt, und Davos als klimaaktiv dargestellt. Rund 80 Berichte erschienen in Printmedien, Radio und Fernsehen, und zahlreiche weitere im Internet.
http://www.slf.ch/media/co2/Medienmitteilung_CO2_Bilanz_Davos.pdf


Zusammenfassung der Ergebnisse der Davoser CO2-Bilanz auf der Homepage der Gemeinde, inklusive links zu Bericht und Medienmitteilung.
http://www.gemeinde-davos.ch/006dav_030303_de.htm

:
Die Davoser CO2-Bilanz wurde finanziert durch die Gemeinde Landschaft Davos, durch die Kommission für Technik und Innovation des Bundesamtes für Berufsbildung und Technologie, und die Forschungsinstitution SLF respektive WSL.

Administration (local, regional, national), Universities or other education institutions

Das Institut für Schnee- und Lawinenforschung SLF ist ein Institut der Forschungsanstalt WSL und gehört mit ihr zum ETH-Bereich. Die Projektmitarbeitenden von SLF und WSL haben federführend die theoretischen Grundlagen der Studie zusammengetragen. Die Gemeinde Landschaft Davos hat sich über den Umweltbeauftragten sehr aktiv an der Studie beteiligt und ist federführend in der Umsetzung.

Dr. Ariane Walz, Dr. Corinne Lundstroem, Corina Lardelli, Dr. Frank Hagedorn. Landschaft Davos Gemeinde; Institut für Schnee- und Lawinenforschung Davos; Forschungsanstalt WSL, Birmensdorf; KTI - Kommission für Technik und Innovation, Bern. Sowie zahlreiche weitere Personen und Institutionen, welche über Daten und Auskünfte zum Gelingen des Projektes und seiner Umsetzung beigetragen haben.

Photos, illustrations, documents


Attraktives Plakat im Bahnhof Davos, welches die Bahnreisenden auf ihren Beitrag zum Klimaschutz aufmerksam macht und sich für die klimaschonende Anreise per Bahn bedankt.


Im Gegensatz zu gesamtschweizerischen Werten verursacht in Davos die Wärmegewinnung weitaus mehr Emissionen als der Verkehr. Grund dafür sind die touristische Ausrichtung von Davos und das kalte Klima


In verschiedenen Informationsveranstaltungen wurden einerseits die Studie und andererseits emissionsmindernde Massnahmen und erneuerbare Energien im Gebäudebereich vorgestellt.

Other documents

Programm der Informationsveranstaltungen zu Emissionsminderungen im Gebäudebereich: Gebäudesanierung und Nutzung erneuerbarer Energien.

Tipps zum Thema Heizenergie in Ferienwohnungen und Ferienhäusern, welche allen Zweitwohnungsbesitzenden zugestellt wurde.


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