Renaturierung des Ramsflumoores
by
Bergwald
—
last modified
2008-08-06 13:20
This climate response measure was submitted by third parties in summer 2008 as part of the competition for the cc.alps project. Responsibility for the contents rests with the persons indicated on the form.
Wertach/ Allgäu
de (Germany)
2002-08-26
5 Jahre
Mr Stephen Wehner
Bergwaldprojekt e.V.
Mr Peter Naumann
Bergwaldprojekt e.V.
pn@bergwaldprojekt.de
:
Von 2002 bis 2007 hat das Bergwaldprojekt e.V. das Hochmoor Ramsflumoor bei Wertach/Allgäu in jeweils einwöchigen Einsätzen mit Freiwilligen wiedervernässt. Das bei Beginn der Renaturierung durch Entwässerungsgräben stark gestörte Regenwassermoor, wurde durch den Einbau von Spundwänden aus regionaler Weißtanne in die Entwässerungsgräben wiedervernässt. Dadurch wurde die Fähigkeit des Moores CO2 und Wasser zu speichern stark verbessert und die Vielfalt seltener Tier- und Pflanzenarten erhöht.
Von 2002 bis 2007 hat das Bergwaldprojekt e.V. das Hochmoor Ramsflumoor bei Wertach/Allgäu in jeweils einwöchigen Einsätzen mit Freiwilligen wiedervernässt. Das bei Beginn der Renaturierung durch Entwässerungsgräben stark gestörte Regenwassermoor, wurde durch den Einbau von Spundwänden aus regionaler Weißtanne in die Entwässerungsgräben wiedervernässt. Dadurch wurde die Fähigkeit des Moores CO2 und Wasser zu speichern stark verbessert und die Vielfalt seltener Tier- und Pflanzenarten erhöht.
Renaturation of the Ramsflumoor
Mitigation measure
- technical
- educational
- Nature conservation
- Water management
- Klimaschutz
local
1.Co2-Speicher
2.Wasser-Speicher
3.Biodiversität
Die Massnahme ist in ihrer Wirkungsweise dreiteilig: 1) Wiedervernässung 2) Renaturierung 3)Regeneration zu 1)Durch den fachgerechten Einbau von Spundwänden aus Weißtanne werden Entwässerungsgräben im Ramsflumoor verschlossen. Dadurch wird ablaufendes Niederschlagswasser gestaut. Im angestauten huminsäurereichen Wasser siedeln sich Torfmoose an, die sich nach und nach immer stärker ausbreiten und die Wasserfläche besiedeln. 2)Wenn Störungen durch den Menschen unterbleiben, entsteht nach einigen Jahren ein Schwingrasen, der sich im Laufe der Zeit in eine typische Hochmoorfläche mit Bulten und Schlenken verwandelt. Rosmarinheide, Moosbeere, Scheidiges Wollgras bis hin zum Rundblättrigen Sonnentau siedeln sich nach und nach an und dokumentieren den Prozess der Renaturierung.3)Die Regeneration zu einem intakten Hochmoor ist ein jahrhundertelanger Prozess. Trotzdem finden im wiedervernässten Hochmoor viele Arten wieder eine Heimstatt, wie z.B. der Moorfrosch und der Sonnentau.
In dem 2,5 ha großen sensiblen Hochmoor wurde ausschließlich händisch gearbeitet. 1)Dammbau: Beim Anstau der Entwässerungsgräben ist es zunächst wichtig, den stauenden Untergrund zu erreichen. Dazu wird eine etwa 1,50 m breite und bis zu 2,50 m tiefe Gründung angelegt. Danach werden entrindete Stützpfeiler aus Weißtanne oder Kiefer eingerammt, um die künftige Spundwand gegen den Wasserdruck zu stabilisieren. Für die Wand sind Nut- und Federbohlen aus Weißtanne am geeignetsten, da sie im Moor sehr lange überdauern. Die Bohlen werden quer zum Graben eingebaut, zusätzlich zu Nut- und Feder mit Nägeln verbunden und auch an den Pfeilern befestigt. Um eine zusätzliche Abdichtung zu erreichen, wurden am Moorrand Grassoden gestochen, die mit der Wurzelseite nach oben und dachförmig an die Spundwand eingebaut wurden. Diese Sodenschichten wurden immer wieder mit Aushubtorf verbunden. 2)Verdunstung senken: Um die Verdunstung im Moor zu senken wurden standortsfremde Bäume wie (Fichten) entfernt
a)Durch die beschriebenen Maßnahmen wurde im dem angegebenen Zeitrahmen eine ca. 2,5 ha große Hochmoorfläche wiedervernässt. Dabei wurden vier Entwässerungsgräben mit 18 Verbauungen wiederangestaut. Die Gründungstiefe einiger Verbauuengen lag bei bis zu 2,80m. b) Alle Verbauungen haben stauende Wirkung und führten zur großflächigen Wiederansiedlung von Torfmoosen und Wollgras c) Arten die nur im Hochmoor vorkommen, haben den Weg zurück ins Ramsflumoos gefunden, wie z.B.Rundblättriger Sonnentau, Moorfrosch und versch. Libellenarten d) Im Laufe des Arbeitszeitraumes haben über 120 Freiwillige aus ganz Deutschland das faszinierende Ökosystem Hochmoor kennengelernt und Ihren Beitrag zu Wasser-, Klima- und Artenschutz geleistet. Gleichzeitig wurde Alltagsverhalten nachhaltig positiv verändert und die Teilnehmer wurden zu Multiplikatoren für einen ganzheitlichen Naturschutz, der zeigt, das jeder unter entsprechender Anleitung Verantwortung für die Natur übernehmen kann!
Assessment criteria for the Jury’s decision
Intakte Hochmoore sind große CO2-Speicher. Alle Moore der Erde binden etwa 455 Gigatonnen Co2, dies sind etwa 60% des Kohlenstoffgehalts der Atmosphäre.(Gorham 1991) Man schätzt, das die Moore der nördlichen Hemisphäre bis zu 70 Millionen t Kohlenstoff im Jahr speichern, das sind 1% der anthropogenen Emissionen (Gorham 1991 und Clymo 1998). Auf einen Hektar bezogen, können hiesige Hochmoore unter optimalen Bedingungen bis zu 1400t C02 im Jahr speichern. (Succow) Durch die Wiedervernässung wird das Wachstum der Torfmoose (Sphagnum)stark angeregt, die einerseits große Mengen CO2 aufnehmen und andererseits diesen Kohlenstoff durch Torfbildung langfristig binden, da sie unter den reduzierten Moorbedingungen nicht zersetzt werden. Die Fähigkeit Co2 zu speichern liegt bei einer Moorgröße von 2,5 ha bei etwa 3500 t, wenn das Moor in ferner Zukunft wieder intakt ist. Auf diese Weise leisten renaturierte Hochmoore einen wichtigen Beitrag als lokale und globale natürliche CO2-Speicher!
a) Die Fähigkeit des renaturierten Moores Hochwasserspitzen aufzunehmen und Wasser langsam abfließen zu lassen spielt lokal eine wichtige Rolle, da Torfmoose das 20-30 fache ihres Trockengewichtes an Wasser aufnehmen können. b) Das Hochmoor gibt sein aufgenommenes Niederschlagswasser nur langsam wieder ab und fungiert so als wichtiger Wasserspeicher für die Umgebung. c) Man nimmt an, das der Klimawandel in Zukunft zum Aussterben von 20-30% der bekannten Arten auf der Welt führen wird, dies führt zu einer schweren Belastung für die Biodiversität. Lokal betrachtet sichert die Massnahme des BWP den Lebensraum für viele Charakter- und Reliktarten in den Hochmooren des Allgäus und stellt ein wichtiges Trittsteinbiotop für die Verbreitung dieser Arten dar.
| Field | Positive impact | Neutral impact | Negative impact |
|---|---|---|---|
| Landscape | X | ||
| Alpine ecosytems/biodiversity | X | ||
| Water, soil, air | X | ||
| Others | |||
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-Hochmoore sind die Erben der Eiszeit und bereichern das durch den Menschen stark kulturell geprägte Landschaftsbild um einen naturbelassenen Bestandteil -Moore sind Teil der alpinen Ökosysteme und weisen eine hohe Anzahl extrem spezailisierter Arten auf, die nur im Hochmmoor vorkommen -Der Wasserhaushalt der Landschaft wird durch das Hochmoor positiv beeinflußt, da ein intaktes Moor einerseits in der Lage ist Hochwasserspitzen aufzunehmen und andererseits als nachhaltiger Wasserspeicher in Trockenzeiten fungieren kann. |
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| Field | Positive impact | Neutral impact | Negative impact |
|---|---|---|---|
| Social justice | X | ||
| Co-determination/participation | X | ||
| Regional/cultural identity | X | ||
| Others | |||
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Die Regionale Identität wird durch die Maßnahme positiv beeinflußt, da die Moore ein wichtiger Bestandteil der Allgäuer Landschaft sind und sowohl in den Mythen und Märchen der Vergangenheit verankert sind als auch eine wichtige Rolle im Tourismus einnehmen, da sie einen natürlichen Landschaftsbestandteil darstellen und so das Bild einer ursprünglichen und intakten Natur vermitteln. Dies ist auch sinnstiftend für die eigene kulturelle Identität und das Selbstbild der Bewohner des Allgäus! |
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| Field | Positive impact | Neutral impact | Negative impact |
|---|---|---|---|
| Employment | X | ||
| Value added/income | X | ||
| Know-how/competitiveness | X | ||
| Others | |||
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Beschäftigung, Wertschöpfung und Wettbewerbsfähigkeit der Region werden positiv beeinflußt, da das Moor im Wandergebiet Großer Wald bei Wertach liegt. Das Hauptkapital der Region Oberallgäu liegt neben der Landwirtschaft und der Dienstleistung weitgehend im Tourismus. Das Image einer weitgehend intakten Allgäuer Natur wird durch die Moore entscheidend vergrößert, zieht Tagestouristen und Langzeiturlauber an und fördert das sanfte und nachhaltige Reisen, das sowohl die Zahl der Übernachtungen verbessert als auch Gaststättenbesuche im Maßnahmenbereich. Umweltbildungsangebote für Gäste und Familien mit Kindern vor Ort komplettieren das Angebot und schaffen neue Arbeitsplätze. |
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Die Maßnahmen zur Wiedervernässung im Ramsflumoos wurden über die Jahre durch intensive lokale Pressearbeit in der Allgäuer Zeitung und dem Lokalfernsehen TV Allgäu bekannt gemacht.Desweitern beschreibt ein Artikel in der Frankfurter Allg. Sonntagszeitung das Projekt.Insgesamt waren 120 freiwillige Teilnehmer aus ganz Deutschland an den Wiedervernässungsmaßnahmen. Die Teilnehmer übernehmen Verantwortung für die Natur und erkennen durch die Arbeit ihre eigenen Bezüge zur Natur. Dadurch wird Alltagverhalten nachhaltig verändert und die Teilnehmer werden zu Multiplikatoren. Durch die Berichterstattung in der Presse wird ein positives Bild der Maßnahme vermittelt, die Wasserhaushalt, Klimaschutz und Biodiversität verbessert und hilft Vorurteile gegenüber Mooren in der Bevölkerung abzubauen
Die Technik der Wiedervernässung kann auf alle bekannten Hochmoore in Deutschland übertragen werden. Das Bergwaldprojekt verwendet diese Technik auch bei Arbeitseinsätzen im Schwarzwald, der Rhön, dem Harz, in Sachsen, aktuell im 22 ha großen Hagspielmoor in Scheidegg/Kreis Lindau und demnächst in Brandenburg. Neben der technischen Übertragbarkeit ist es wichtig die Maßnahmen in ein Presse- und Informationsnetz am jeweiligen Ort einzubinden, um alle Beteiligeten rechtzeitig über Sinn und Vorgehen bei den Maßnahmen zu informieren und Vorurteile vor allem in der Bevölkerung abzubauen.
Neben Moorrenarurierungen engagiert sich das BWP im naturnahen Umbau von Monokulturen und im Schutz und der Pflege alter naturnaher Wälder. Wälder haben eine ausgleichende Wirkung auf das Klima. Wälder beeinflussen das lokale Klima, indem sie Wasser verdunsten, Schatten spenden und Winde bremsen. Global betrachtet speichern die Wälder fast die Hälfte des an Land gebundenen Kohlenstoffs und sind damit die größten Kohlenstoffspeicher der terrestrischen Biosphäre. Der Erhalt und Schutz der vorhandenen Wälder als Kohlenstoffspeicher ist deshalb das wichtigste und effizienteste Handlungsgebot zum Schutz des globalen Klimas. Daneben verwendet das BWP für die Arbeitseinsätze Lebensmittel aus regionaler und ökologischer Produktion, die Boden und Klima schonen. Die Teilnehmer reisen per Bahn an.
Further information
Die Arbeitsweise des BWP ist innovativ, da sie einen "anfassbaren" praktischen Naturschutz vor Ort mit Umweltbildung und Öffentlichkeitsarbeit für Moore verknüpft. Auf diese Weise werden allen Beteiligten ihre eigenen Beüge zur Natur und unsere Abhängigkeit von den natürlichen Lebensgrundlagen nahe gebracht und Alltagsverhalten nachhaltig verändert. Jeder Projektteilnehmer ist ein Multiplikator!
60 000,00
Das Preisgeld wird direkt für die Wiedervernässung des Hagspielmoores bei Scheidegg in 2009 benötigt. Damit werden Kosten für Unterkünfte, Versicherung der Teilnehmer, Verpflegung, Werkzeug und Transportlogistik gedeckt. In diesem Jahr führt das Bergwaldprojekt alleine 40 Einsatzwochen in Deutschland an 23 verschiedenen Standorten durch. Über 750 freiwillige Teilnehmer besuchen die Projekte.
Online information on the measure
Unter der Überschrift "Moorwiedervernässung" wird der Arbeitsablauf im Ramsflumoos beschrieben.
http://www.bergwaldprojekt.de/fileadmin/pdf/dossier/bwp_dossier_oberallgaeu.pdf
:
Organisations of civil society
Bergwaldprojekt e.V. Der Zweck des Vereins ist der Schutz und die Pflege des Waldes, insbesondere des Bergwaldes, und der Kulturlandschaften. Hierzu will das BWP auf die Probleme des Waldes aufmerksam machen, das Verständnis für die Zusammenhänge in der Natur und die Abhängigkeit des Menschen von diesen Lebensgrundlagen fördern und auf die Verbesserung der ökolog. Rahmenbedingungen hinwirken.
Bayerische Staatsforsten, Forstbetrieb Sonthofen, Betriebsleiter Karl-Ludwig Kleiter Amt für Landwirtschaft und Forsten Kempten, Leiter des Schutzwaldmanagements Klaus Dinser
Photos, illustrations, documents
Rammen der Stützpfähle für die Spundwandverbauung
Einbau der Bohlen für die Spundwandverbauung
Fertige Spundwandverbauungen mit Wasseranstau
FAZ April 2007.pdf
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