Moorrenaturierung im bayerischen Alpenraum
by
Alpenraummoore
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last modified
2009-05-29 08:17
This climate response measure was submitted by third parties in summer 2008 as part of the competition for the cc.alps project. Responsibility for the contents rests with the persons indicated on the form.
Landkreise Lindau, Oberallgäu, Ostallgäu, Weilheim, Garmisch-Partenkirchen, Bad Tölz-Wolfratshausen, Miesbach, Traunstein, Rosenheim
de (Germany)
Yes
1999-01-01
teilweise seit 1978 laufend, weitere Fortführung zeitlich unbegrenzt
Ms Christine Margraf, Dr.
Bund Naturschutz in Bayern e.V. (BN)
Ms Christine Margraf, Dr.
Bund Naturschutz in Bayern e.V. (BN)
christine.margraf@bund-naturschutz.de
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Der Bund Naturschutz in Bayern e.V. (BN) führt im Alpenraum seit Jahrzehnten weitgehend ehrenamtlich Maßnahmen zur Verbesserung des Wasserhaushalts degradierter Moore durch. Hierfür wurden Flächen angekauft oder gepachtet, falsche Nutzungsformen beseitigt und insbesondere Anstaumaßnahmen durchgeführt. In den wiedervernässten Flächen findet wieder Moorwachstum statt. Typische Moorarten nehmen zu und die Funktion der Moore als CO2-Senke (Vermeidung) und Wasserspeicher (Anpassung) wird verbessert
Der Bund Naturschutz in Bayern e.V. (BN) führt im Alpenraum seit Jahrzehnten weitgehend ehrenamtlich Maßnahmen zur Verbesserung des Wasserhaushalts degradierter Moore durch. Hierfür wurden Flächen angekauft oder gepachtet, falsche Nutzungsformen beseitigt und insbesondere Anstaumaßnahmen durchgeführt. In den wiedervernässten Flächen findet wieder Moorwachstum statt. Typische Moorarten nehmen zu und die Funktion der Moore als CO2-Senke (Vermeidung) und Wasserspeicher (Anpassung) wird verbessert
Peatland-restoration in the region of the alps in Bavaria
Mitigation measure
- strategic
- technical
- Wiederherstellung natürlicher Verhältnisse
- Nature conservation
- Water management
- Natural hazards management
- Spatial planning
regional, large-scale (federal province, region, département/province, Canton, etc.
Reduktion klimawirksamer Gase
Moor-Renaturierung
Wasserrückhalt für Hochwasserschutz
Nur noch 1% der Moore Bayerns sind in natürlichem Zustand, 90-95% stark degradiert. Die Mineralisation bayerischer Moore führt allein durch die Moorsackung zu einer Ausgasung von etwa 20 T CO2/ ha und Jahr. Durch Wiedervernässung nach Anstau und Entferung von Gehölzen in degradierten entwässerten Mooren wird die Moorsackung gestoppt und zusätzlich Moorbildung und Torfmooswachstum wiederhergestellt. Das Wasser wird wieder in der Moorfläche zurückgehalten. Durch die Moorbildung stellt sich die heimische Hochmoorflora und -fauna wieder ein, darunter auch Arten wie Hochmoorgelbling oder Hochmoormosaikjungfer, die durch die Klimaerwärmung besonders bedroht sind. Durch die Moorbildung wird CO2 gebunden: Zahlreiche Veröffentlichungen belegen die Klimawirksamkeit von Moorrenaturierung (s.u. und Anlage 2). Außerdem sind intakte Moore sehr gute Wasserspeicher, der Wasserabfluss bei Starkregen ist aus intakten Mooren deutlich geringer als aus degenerierten Mooren.
Zur Wiedervernässung werden v.a. Anstaumaßnahmen durch Verschließung von Entwässerungsgräben sowie die Entfernung von Gebüsch- und Baumaufwuchs durchgeführt. Pflegemaßnahmen sichern moortypische durch den Klimawandel bedrohte Lebensräume und Arten. Als Grundlagen für die Maßnahmen werden Entwicklungskonzepte erstellt und Kartierungen durchgeführt. 23 Moore vom Allgäu bis nach Traunstein sind Schwerpunkte der Aktivitäten, die weitgehend ehrenamtlich erfolgen. Auf ca. 120 ha wurde durch Wiedervernässung Torfwachstum reaktiviert, auf weiteren > 150 (-200) ha werden Pflegemaßnahmen durchgeführt. Eigentümer der Flächen sind BN, Private u.a., Maßnahmenträger ist der BN oder andere auf BN-Flächen (Anlage 1). Bei den Maßnahmen arbeiten Interessierte und Mitglieder aus dem jeweiligen Regionen mit, jeder kann mitmachen. Exkursionen und Vorträge zeigen Wert und Erfolg der Maßnahmen. Für die Allgäuer Moore sind 3 Gebietsbetreuer nur für Öffentlichkeitsarbeit und Umweltbildung beschäftigt.
Durch die Grabenschließungen können in allen Mooren Einstauwirkungen und eine Anhebung des Wasserstandes festgestellt werden. Teilweise sind offene Wasserflächen entstanden, das Torfmooswachstum wurde reaktiviert, torfbildende Pflanzen und Primärstadien der Moorentwicklung haben sich entwickelt. Auch auf den Flächen mit Entbuschungen oder Entfernung von Fichten hat sich moortypische Vegetation und Fauna eingestellt, entsprechende Dokumentationen liegen für etliche der Moore vor (siehe Anlage 2). Der Flächenumfang der Wiedervernässung beträgt in den 23 Mooren grob etwa 120 ha. Hier ist von einer Erhöhung bzw. Reaktiverung der CO2-Speicherung auszugehen. Auch auf weiteren Flächen, in denen die typische Moorvegetation gefördert wurde (> 150 ha), ist von einer Verbesserung der Speicherfunktion klimawirksamer Gase auszugehen. Die Wirksamkeit auf den Wasserabfluss ist zwar mangels Messstellen nicht dokumentiert, ist aber entsprechend anderer Untersuchungen anzunehmen.
Assessment criteria for the Jury’s decision
Bei der Moorbildung wird organische Masse unter Luftabschluß nicht abgebaut, d.h. der in der Lebenszeit der Pflanzen gebundene Kohlenstoff bleibt im Moorboden, im Torf, gebunden. Bei Entwässerung kommen Zersetzungsprozesse in Gang, es wird Kohlenstoff freigesetzt: Entwässerte Moore bei Grünland-Nutzung emittieren etwa 5-6 mal so viel CO2 wie natürliche Moore speichern. Die 120.000 ha Grundwassermoore Bayerns geben bei einer Sackungsrate von 0,7 cm/Jahr 0,76 Mio. T Kohlenstoff ab, die 45.000 ha Regenmoore Bayerns 0,28 Mio. T Kohlenstoff, entspricht etwa 20 T CO2/ha*Jahr - zum Vergleich: der spezifische pro Kopf-CO2-Ausstoss liegt in Dtl. bei 11 T CO2/Jahr und soll weltweit auf 2 T begrenzt werden. Naturnahe Moore speichern bis zu 5000 kg CO2-C/ha*Jahr. In der Moorrenaturierung steckt ein enormes Potential. Durch die Wiedervernässungs- und Extensivierungs-Maßnahmen des BN in den 23 Mooren wird auf insgesamt >180 ha Fläche der Ausstoß erheblich reduziert und große Mengen CO2 gebunden.
Intakte Moore haben eine immense Wasserspeicherkapazität, weil sie deutlich mehr Grobporen als degenerierte Moore aufweisen. Abflußkurven nach Starkregenereignissen zeigen, dass die Ablussspitze aus einem kulitiverten, offenen Hochmoor etwa 4 x so hoch ist wie aus einem naturnahen, offenen Hochmoor. Selbst ein bewaldetes Hochmoor hat eine etwa 3 x so hohe Abflußspitze, wie ein naturnahes Moor (Anlage 2). Renaturierte oder naturnahe Moore sind "Regenrückhaltespeicher". Durch die Renaturierungsmaßnahmen des BN wird sich die erhöhte Wassersepicherfähigkeit positiv auf die Umgebung auswirken, insbesondere da Starkregenereignisse durch den Klimawandel zunehmen. Die Überlebensbedingungen für seltene Tier- und Pflanzenarten, die durch den Klimawandel (Erwärmung und sommerliche Trockenheit) besonders gefährdet sind, werden verbessert. Gerade in Mooren kommen viele sog. spezialisierte Eiszeitrelikte vor, wie z.B. die Zwergbirke, die auf BN-Flächen große Bestände ausbildet.
| Field | Positive impact | Neutral impact | Negative impact |
|---|---|---|---|
| Landscape | X | ||
| Alpine ecosytems/biodiversity | X | ||
| Water, soil, air | X | ||
| Others | X | ||
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Die Landschaft des Alpenvorlandes ist durch ihre Moorvielfalt einmalig, diese Besonderheit wird verstärkt. Die Renaturierung vergrößert die Fläche moortypischer Lebensräume und Arten wie Moorbirke oder Hochmoorgelbling, die fast alle stark gefährdet sind.Der Rückgang der Biodiversität und die Gefährdung der Moore (90-95% degradiert) werden reduziert. Intakte Moore haben durch ihre Filterwirkung und Nährstoffrückhaltung positive Auswirkungen auf den Stoffhaushalt. Im Grundwasser gelöste Stoffe wie Nitrat, Sulfat oder Sulfid können gebunden, bzw. umgewandelt werden. Durch ihr besonderes Lokalklima wirken Moore klimatisch ausgleichend auf ihr Umfeld (Kaltluftzufuhr). Die Wiederherstellung der typischen vielfältigen Moorlandschaft wirkt sich auch positiv auf den sanften Tourismus aus. |
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| Field | Positive impact | Neutral impact | Negative impact |
|---|---|---|---|
| Social justice | X | ||
| Co-determination/participation | X | ||
| Regional/cultural identity | X | ||
| Others | X | ||
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Die weitgehend ehrenamtliche Arbeit ermöglicht jedem die Mitarbeit. Landwirte, Naturschutzbehörden, Ämter für Landwirtschaft und Forsten, die Staatsforsten, Waldbesitzervereinigungen, andere Vereine, Gemeinden, Landkreise u.a. sind Partner in den Projekten, teilweise auch Träger einzelner Maßnahmen. Die Zusammenarbeit der gesellschaftlichen Gruppen wird intensiviert. Durch Öffentlichkeitsarbeit wird die regionale Besonderheit der Moore für die Heimat verdeutlicht, die Identifizierung der Projektbeteiligten und der Bevölkerung mit den Mooren als typischer Bestandteil der regionalen Heimat wird verstärkt. Durch traditionelle Nutzungsformen (Streuwiesen) und den Zusammenhang der Renaturierung mit ehemaliger Moor(Torf-)nutzung wird auch die kulturelle Identität in der Bevölkerung verstärkt. |
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| Field | Positive impact | Neutral impact | Negative impact |
|---|---|---|---|
| Employment | X | X | |
| Value added/income | X | ||
| Know-how/competitiveness | X | ||
| Others | X | ||
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Die Maßnahmen werden weitgehend ehrenamtlich umgesetzt. Positive Auswirkung auf Beschäftigung und Einkommen gibt es bei den Maßnahmen zum Stauwerkebau (Maschineneinsatz, Materialeinsatz), im Wald (z.B. Kooperation mit örtlichem Forstunternehmer), bei der Pflege (Landwirte), bei der Erstellung von Fachkonzeptionen und Untersuchungen (i.d.R. Biologen) sowie bei der Beschäftigung dreier Gebietsbetreuer (Allgäu). Die Wertschöpfung nimmt zu durch den Beitrag zur Sicherung der Biodiversität und zum Klima- und Hochwasserschutz. Laut BfN kann im Moorschutz 1 T CO2 für ca. 2 Euro eingespart werden, während die Bundesregierung derzeit dafür 50 Euro ausgibt. Auch die Wettbewerbsfähigkeit der Region im Bereich Tourismus wird durch Erhöhung der landschaftlichen Attraktivität gestärkt. |
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Die einzelnen Moorrenaturierungsprojekte werden durch intensive Öffentlichkeitsarbeit begleitet, auch dies weitgehend ehrenamtlich. Über einzelne Projekte sind Veröffentlichungen, Faltblätter, internet-Seiten und andere Informationsangebote vorhanden. Es werden zahlreiche Exkursionen, Vorträge, Führungen für Schulen und andere Gruppen und viele andere Veranstaltungen durchgeführt, deren Zahl erst noch ermittelt werden müßte. Durch die BN-Kinder- und Jugendgruppen werden besonders auch Kinder und Jugendliche in die Bewußtseinsbildung einbezogen. Die vielen verschiedenen Helfer sind Multiplikatoren für den Moorschutz und dessen Bedeutung für Arten-, Klima- und Hochwasserschutz. Für die Allgäuer Moore haben drei Gebietsbetreuer den Schwerpunkt Öffentlichkeitsarbeit und Umweltbildung.
Die fachlichen Erkenntnisse über die besten Methoden zur Moorrenaturierung sind auf andere Moore übertragbar. Die Renaturierung der Moore wird gerade im Alpenvorland auch von zahlreichen anderen Organisationen durchgeführt (LIFE-Projekt, BfN-Großprojekt, Allgäuer Moosallianz), hier bestehen große Synergien. Die BN-Aktivitäten sind vielfach mit Aktivitäten anderer eng verzahnt (z.B. BN-Gebietsbetreuung für die Allgäuer Moore in enger Zusammenarbeit mit "Allgäuer Moosallianz" oder z.B. > 100 ha Flächenbesitz des BN im "Moosprojekt" des Lkr. GAP). Auch die Erfahrungen in der Zusammenarbeit mit verschiedenen Gruppen und mit der begleitenden Umweltbildung können auf andere Projekte nicht nur im Naturschutz übertragen werden.
Der Bund Naturschutz in Bayern e.V. (BN) setzt sich landesweit für einen weitestgehenden effizienten Klimaschutz ein und hat ein eigenes Energieszenario erstellt zur Reduktion der Treibhausgase. Vorrang hat dabei die Energieeinsparung und Vermeidung des Ausstoßes. Im Klimapakt mit der bayerischen Staatsregierung ist der kritischer und fordernder Partner. Der Klimaschutz durch Moorrenaturierung ist in die Gesamtaktivitäten zum Klimaschutz, d.h. in der Schwerpunkt der CO2-Vermeidung eingebettet und wird seit 2008 auch mit neuen Projekten (Gebietsbetreuung Allgäuer Moore) verstärkt. Auch für den Hochwasserschutz verfolgt der BN einen ganzheitlichen Ansatz des ökologischen Hochwasserschutzes durch weitgehend natürlichen Wasserrückhalt in der Fläche (Landschaftswasserhaushalt,Flächenmanagement)
Further information
Innovativ ist die Kopplung verschiedener Zielsetzungen: dass mit Naturschutz auch Klima- und Hochwasserschutz umgesetzt werden kann. Damit sind ökologische Maßnahmen auch wirtschaftlich und sozial bedeutsam. Ebenso wird ein Beitrag zu einem naturverträglichen Klimaschutz geleistet. Zwei zentrale gesellschaftliche Herausforderungen (Klimaschutz und Sicherung der Biodiversität) werden verknüpft.
Eigenanteil insgesamt sicher im 6-stelligen Bereich
Mit dem Geld würden die weitgehend ehrenamtlichen Aktivitäten des BN im Moorschutz in den 23 beschriebenen oder weiteren neuen Projekten unterstützt. Renaturierungsmaßnahmen durch weiteren Flächenankauf zur Ausdehnung der Wiedervernässung und anderer Maßnahmen würden beschleunigt. Auch die Gebietsbetreuer im Allgäu würden unterstützt. Der BN-Schwerpunkt "Moorschutz" würde weiter gestärkt.
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In den Antrag sind nur die größeren Projekte eingeflossen, in denen der BN auf eigenen Flächen oder mit eigenen Mitteln aktiv ist. Zusätzlich finden einzelne Aktivitäten auch in anderen Mooren der Alpen und des Alpenvorlandes statt. Viele Teilprojekte sind aufgrund des Flächenumfanges nicht abgeschlossen und werden fortgeführt. Es handelt sich durchweg um mehrjährige Projekte z.T. schon seit 1978.
In den Antrag sind nur die größeren Projekte eingeflossen, in denen der BN auf eigenen Flächen oder mit eigenen Mitteln aktiv ist. Zusätzlich finden einzelne Aktivitäten auch in anderen Mooren der Alpen und des Alpenvorlandes statt. Viele Teilprojekte sind aufgrund des Flächenumfanges nicht abgeschlossen und werden fortgeführt. Es handelt sich durchweg um mehrjährige Projekte z.T. schon seit 1978.
Organisations of civil society
Bund Naturschutz in Bayern e.V. (BN) mit seinen Kreisgruppen. Auf einzelnen BN-Flächen Maßnahmen durch andere Träger (Landkreis GAP, TS, RO, LI). Einzelne Maßnahmen durch andere Träger, z.B. Entbuschung durch Forstamt, Bergwaldprojekt, Landschaftspflegeverband. Details siehe Anlage 1.
An den einzelnen Teil-Projekten der Bund Naturschutz-Gruppen sind zahlreiche verschiedene weitere Akteure wie Landwirte, Kommunen, Landkreise, verschiedene Fachbehörden, andere Vereine und durch die ehrenamtliche Arbeit die breite Öffentlichkeit beteiligt (siehe Anlage 1). Weitere Kontaktpersonen sind die Ansprechpartner der BN-Kreisgruppen (siehe Anlage)
Photos, illustrations, documents
Anstaumaßnahme im Felmer Moos, Landkreis Oberallgäu
Wiedervernässung im Ödmoos, Landkreis Traunstein
Grabenschließung im Hagspielmoor, Landkreis Lindau